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Bible John

Der Barrowland Ballroom in Glasgow, das Tanzlokal, in dem der Täter mehrere seiner Opfer kennenlernte
Thomas Nugent, Geograph Britain and Ireland, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
3
Opfer
SerienmörderGlasgow , Großbritannien
Aktive Jahre
1968–1969
Modus Operandi
ErwürgenVergewaltigung

Eine gemeinsame Taxifahrt mit Helen Puttock lieferte der Polizei eine genaue Beschreibung des mutmaßlichen Täters. Der Mann soll aus der Bibel zitiert und Tanzlokale als sündig bezeichnet haben. Daraus entstand der Name „Bible John”. Die Morde an drei Frauen in Glasgow blieben dennoch ungeklärt; noch 2023 nahm Police Scotland den Fall nach neuen Recherchen erneut in den Blick, wie The Guardian berichtete.

Die Taten

Am 23. Februar 1968 wurde die 25-jährige Krankenschwester Patricia Docker erwürgt in einer Garageneinfahrt an der Carmichael Place gefunden. Sie hatte den Abend zuvor angeblich im Barrowland Ballroom verbracht, ohne dass dies zunächst mit einem Verbrechen in Verbindung gebracht wurde. Erst nach dem zweiten Mord zog die Polizei eine Verbindung. Am 15. August 1969 wurde die 32-jährige Jemima McDonald tot in einem leerstehenden Gebäude nahe dem Tanzlokal aufgefunden, auch sie war zuletzt im Barrowland gesehen worden. Am 30. Oktober 1969 wurde die 29-jährige Helen Puttock erwürgt in der Earl Street im Stadtteil Scotstoun entdeckt. Ihre Schwester hatte den gemeinsamen Abend mit ihr im Barrowland verbracht und beschrieb der Polizei detailliert den Mann, der sich beiden Frauen als „John” vorgestellt und sich durch sein Bibelwissen und seine ablehnende Haltung gegenüber Tanzlokalen ausgezeichnet hatte. Alle drei Frauen waren brünett, dunkel gekleidet und hatten ihre Menstruation, ein Detail, das manche Ermittler und spätere Profiler als möglichen Auslöser des Täters werteten.

Ermittlung

Nach der Zeugenbeschreibung durch Helen Puttocks Schwester erstellte die Polizei ein Phantombild des Verdächtigen und startete eine der größten Fahndungen der schottischen Kriminalgeschichte. Mehr als 5.000 Männer wurden befragt und rund 50.000 Aussagen protokolliert, ohne dass sich eine heiße Spur ergab. Jahrzehnte später nahm die schottische Polizei die Ermittlungen unter dem Namen „Operation Anagram” wieder auf und glich mithilfe moderner DNA-Analyse biologisches Spurenmaterial von den Tatorten mit Verdächtigen ab.

Verdächtige

Der später verurteilte schottische Serienmörder Peter Tobin geriet ins Visier der Ermittler, weil er in den späten 1960er Jahren in Glasgow lebte, regelmäßig Tanzlokale besuchte, tief religiös war und dem Phantombild ähnelte. Ein DNA-Abgleich im Rahmen von Operation Anagram konnte jedoch belegen, dass die am Tatort gesicherten Spermaspuren nicht von ihm stammten. Peter Tobin starb 2022 in Haft, ohne sich je zu den Vorwürfen zu äußern. Ein weiterer, namentlich lange kursierender Verdächtiger, ein Cousin eines der ursprünglichen Zeugen, wurde 2006 durch einen DNA-Test entlastet.

Warum der Fall ungelöst blieb

Die zentrale Zeugenaussage von Helen Puttocks Schwester stammte aus einer kurzen, alkoholisierten Begegnung im Taxi nach dem Tanzabend und blieb trotz ihrer Detailtiefe letztlich eine einzelne Erinnerung ohne forensische Bestätigung. Spurensicherung und DNA-Analyse steckten 1968 und 1969 noch in den Anfängen, ein Großteil des ursprünglichen Beweismaterials ist heute verloren oder kontaminiert. Nach dem dritten Mord im Oktober 1969 endeten die zweifelsfrei zuordenbaren Taten abrupt.

Nachwirkungen

Der Fall veränderte nachhaltig das Sicherheitsgefühl junger Frauen in Glasgows Tanzlokal-Szene und führte zu einem spürbaren Rückgang der Besucherzahlen im Barrowland Ballroom, der bis heute als Musikvenue besteht. Bible John gilt neben Jack the Ripper als einer der bekanntesten ungeklärten Serienmordfälle Großbritanniens und wurde in zahlreichen Büchern, Dokumentationen und der Fernsehserie „Case Histories” verarbeitet.

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