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Beverly Allitt

genannt „Angel of Death"

Grantham in Lincolnshire, wo die Taten 1991 stattfanden
Dark Messenger84, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
4
Opfer
„Angel of Death"
inhaftiert
SerienmörderGrantham , Großbritannien
Aktive Jahre
1991
Modus Operandi
Vergiftung

Auf einer Kinderstation in Grantham häuften sich innerhalb weniger Wochen unerklärliche Zusammenbrüche. Erst der Vergleich der Dienstpläne lenkte den Verdacht auf Beverly Gail Allitt. Die amtliche Erklärung zum unabhängigen Clothier-Bericht hält vier Morde und neun weitere Angriffe im Jahr 1991 fest.

Werdegang

Sie wuchs in Corby Glen bei Grantham auf, der Vater arbeitete in einem Getränkeladen, die Mutter als Schulreinigungskraft. Schon als Kind und Jugendliche fiel sie durch ein auffälliges Verhaltensmuster auf: Sie trug Verbände über nicht vorhandenen Wunden, klagte wiederholt über erfundene oder übertriebene Beschwerden und ließ sich unter anderem einer Blinddarmoperation unterziehen, obwohl medizinisch nichts dafür sprach. Mehrfach wechselte sie den Hausarzt, nachdem Ärzte ihr Verhalten zu durchschauen begannen. Nach der Sekundarschule absolvierte sie einen zweijährigen Pflegekurs am Grantham College. Eine Bewerbung an einem größeren Krankenhaus scheiterte, stattdessen erhielt sie eine Stelle als Kinderkrankenschwester am Grantham and Kesteven Hospital, obwohl ihr die reguläre pädiatrische Zusatzqualifikation fehlte.

Kriminelle Aktivitäten

Ab Februar 1991 arbeitete sie auf Station 4, der Kinderstation des Krankenhauses. In den folgenden Wochen injizierte sie mehreren ihr anvertrauten Kindern große Mengen Insulin oder brachte auf andere Weise Luft in ihren Kreislauf, um lebensbedrohliche Herz- und Kreislaufzusammenbrüche auszulösen. Danach beteiligte sie sich auffällig engagiert an den Wiederbelebungsversuchen. Da sie in praktisch allen Fällen zum fraglichen Zeitpunkt Dienst hatte, geriet sie später als Einzige durchgängig in Verdacht.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):

  1. Liam Taylor (7 Wochen), 21. Februar 1991, gestorben
  2. Timothy Hardwick (11 Jahre), 5. März 1991, gestorben
  3. Kayley Desmond (1 Jahr), 8. März 1991, überlebt mit Verletzungen
  4. Paul Crampton (5 Monate), 20. März 1991, überlebt
  5. Bradley Gibson (5 Jahre), 21. März 1991, überlebt
  6. Yik Hung Chan (2 Jahre), 21. März 1991, überlebt
  7. Becky Phillips (2 Monate), 1. April 1991, gestorben
  8. Katie Phillips, Zwillingsschwester von Becky (2 Monate), 1. April 1991, überlebt mit bleibenden Hirnschäden
  9. Claire Peck (15 Monate), 22. April 1991, gestorben

Neben diesen namentlich bekannten Fällen erlitten weitere Kinder auf der Station in diesem Zeitraum schwere, teils lebensbedrohliche Zwischenfälle, ihre Namen wurden jedoch nie öffentlich gemacht. Insgesamt geht die Anklage von 13 betroffenen Kindern aus, vier Todesfällen, drei versuchten Tötungen und sechs Fällen schwerer Körperverletzung.

Ermittlung und Festnahme

Der Tod der kleinen Claire Peck im April 1991 löste schließlich Ermittlungen aus, nachdem Kollegen die ungewöhnlich hohe Zahl an Herzstillständen auf der Station bemerkt hatten. Die Polizei glich die Dienstpläne mit den Vorfällen ab und stellte fest, dass ausnahmslos sie bei jedem der Zwischenfälle im Dienst gewesen war. In Patientenakten fehlten zudem einzelne Seiten, laborchemisch ließ sich bei mehreren Kindern eine externe Insulinzufuhr nachweisen, obwohl diese Medikation nicht verordnet worden war. Sie wurde am 21. Mai 1991 erstmals polizeilich vernommen, die förmliche Anklage folgte im November desselben Jahres.

Prozess

Der Prozess am Crown Court in Nottingham begann im Februar 1993 und endete am 28. Mai 1993 mit einem Schuldspruch in allen Anklagepunkten: vier Fälle von Mord, mehrere versuchte Tötungen sowie mehrere Fälle schwerer Körperverletzung. Das Gericht verhängte 13 gleichzeitig laufende lebenslange Freiheitsstrafen mit einer Mindestverbüßungsdauer von 30 Jahren. Psychiater attestierten ihr im Verfahren Symptome eines Münchhausen-Stellvertretersyndroms, einer Störung, bei der Betroffene bei einer ihnen anvertrauten Person gezielt Krankheitssymptome hervorrufen oder vortäuschen, um selbst Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erhalten.

Nachwirkungen

Sie wird bis heute im Rampton Hospital verwahrt, einer Einrichtung für psychisch kranke Straftäter in Nottinghamshire, nicht in einem gewöhnlichen Gefängnis. Ihre Mindestverbüßungsdauer lief im November 2021 ab, seither ist sie grundsätzlich bewährungsfähig. Ein Antrag auf Verlegung in den regulären Strafvollzug wurde im Dezember 2023 abgelehnt, eine erneute Prüfung ist frühestens 2026 vorgesehen. Der Fall führte in Großbritannien zu einer umfassenden behördlichen Untersuchung der Aufsichts- und Meldestrukturen auf Krankenstationen und wird bis heute als Referenzfall herangezogen, etwa in der Debatte um den späteren Fall der Krankenschwester Lucy Letby. Vergleichbare Fälle von Pflegekräften, die aus einem inneren Zwang heraus Kinder angriffen, gab es auch andernorts und früher, etwa bei der tschechoslowakischen Kinderkrankenschwester Marie Fikáčková, die bereits 1960 wegen der Tötung von Neugeborenen hingerichtet wurde. Verfilmt wurde der Fall unter anderem als „The Killer Nurse: Der Todesengel von Grantham” (Affiliate-Link).

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