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Beatrice Cenci

Traditionell als Porträt von Beatrice Cenci geltendes Gemälde, das lange Guido Reni zugeschrieben wurde
Statens Museum for Kunst, Kopenhagen / Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
hingerichtet
TotschlägerRom , Italien
Aktive Jahre
1598

Als die junge Frau am 11. September 1599 auf dem Schafott vor der Engelsburg kniete, sollen unter den Zuschauern die Maler Caravaggio und Artemisia Gentileschi gestanden haben, die später beide Werke schufen, die von ihrem Schicksal inspiriert waren. Beatrice Cenci war zu diesem Zeitpunkt zweiundzwanzig Jahre alt und wurde wegen der Ermordung ihres eigenen Vaters enthauptet, ein Fall, der Rom seit einem Jahr in Atem gehalten hatte und bis heute als Symbol für die Grenze zwischen Verbrechen und Notwehr gilt.

Werdegang

Beatrice wurde am 6. Februar 1577 im Palazzo Cenci in Rom geboren, als Tochter des römischen Adeligen Francesco Cenci. Ihr Vater war für seine Gewalttätigkeit und seinen ausschweifenden Lebensstil berüchtigt und wurde mehrfach wegen Sittlichkeitsdelikten angeklagt. Als junge Frau kehrte Beatrice in das gewalttätige Familienhaus zurück und wurde 1595 gemeinsam mit ihrer Stiefmutter Lucrezia Petroni auf das abgelegene Schloss La Rocca di Petrella in den Abruzzen verbannt, offiziell um eine unerwünschte Heirat zu verhindern, faktisch aber als eine Art Gefangenschaft unter der fortdauernden Kontrolle ihres Vaters. Ihre Verteidiger behaupteten später, er habe sie dort auch sexuell missbraucht, ein Vorwurf, der vor Gericht nie bewiesen wurde.

Die Tat

Am 9. September 1598 wurde Francesco Cenci in seinem Schlafzimmer ermordet. Zunächst verabreichte Lucrezia ihm ein Schlafmittel. Anschließend drangen der Burgverwalter Olimpio Calvetti, mit dem Beatrice heimlich liiert war, und ein Helfer namens Marzio Catalano in das Zimmer ein und schlugen mit einem Hammer und einem Eisenspieß auf ihn ein. Um den Mord wie einen Unfall aussehen zu lassen, warfen sie die Leiche anschließend von einem Balkon.

Ermittlung und Verhaftung

Die Behörden schöpften rasch Verdacht: Bei der Leichenwäsche fanden sich Kopfwunden, die unmöglich von einem Sturz stammen konnten. Um den Mitwisser zum Schweigen zu bringen, ließ die Familie Olimpio Calvetti töten, noch bevor die Ermittler ihn befragen konnten. Marzio Catalano wurde gefasst und starb während der Folter im Gefängnis von Tordinona. Beatrices Bruder Giacomo legte schließlich ein umfassendes Geständnis ab.

Prozess und Hinrichtung

Der Prozess zog sich von Oktober 1598 bis September 1599 hin. Beatrice bestritt jede Beteiligung, auch unter der Folter. Ihr Anwalt Prospero Farinacci führte den angeblichen sexuellen Missbrauch als mildernden Umstand an, konnte damit aber weder das Gericht noch Papst Clemens VIII. überzeugen, der ein Gnadengesuch ablehnte, wohl auch weil kurz zuvor ein ähnlicher Fall von Vatermord in einer anderen römischen Adelsfamilie für Aufsehen gesorgt hatte. Am 11. September 1599 wurden alle Beteiligten öffentlich hingerichtet: Giacomo wurde gefoltert, sein Kopf mit einem Hammer zertrümmert und sein Leichnam gevierteilt, Lucrezia und Beatrice wurden mit dem Schwert enthauptet. Der jüngste Bruder, der erst zwölfjährige Bernardo, musste der Hinrichtung zusehen und wurde zu lebenslanger Galeerenstrafe verurteilt, aus der er jedoch bereits nach einem Jahr entlassen wurde.

Nachwirkungen

Beatrice wurde in der Kirche San Pietro in Montorio in Rom beigesetzt. Ihr Fall entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem der bekanntesten Justizdramen Italiens und wurde als Beispiel für die Willkür der päpstlichen Justiz gegenüber Frauen in gewalttätigen Familienverhältnissen gedeutet. Der englische Dichter Percy Bysshe Shelley widmete ihr 1819 das Drama „The Cenci“, und ein lange Guido Reni zugeschriebenes Porträt, das heute eher der Malerin Ginevra Cantofoli zugeschrieben wird, machte ihr vermeintliches Gesicht zu einem der meistkopierten Frauenbildnisse der italienischen Kunstgeschichte, obwohl bis heute unklar ist, ob es sie überhaupt zeigt. In Rom hält sich zudem bis heute die Legende, ihr Geist erscheine jedes Jahr am Jahrestag ihrer Hinrichtung auf der Engelsbrücke, den eigenen abgeschlagenen Kopf in den Händen.

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