Bartolomeo Gagliano
- Aktive Jahre
- 1981–1989
- Modus Operandi
- ErschießenStumpfe GewaltGeiselnahmeKomplizen
Wenige Wochen vor seiner Hochzeit drohte eine Frau, sein Geheimnis zu verraten. Er erschlug sie mit einem Stein an einer Autobahnraststätte, und aus dieser einen Tat wurde eine fast drei Jahrzehnte währende Kette aus Verwahrung, Ausbrüchen und Geiselnahmen. Bartolomeo Gagliano, geboren 1958 in Nicosia auf Sizilien und aufgewachsen im ligurischen Savona, tötete zwischen 1981 und 1989 drei Menschen. Weil er nach der ersten Tat für schuldunfähig erklärt wurde, verbrachte er einen Großteil seines Lebens in psychiatrischer Verwahrung, aus der er wiederholt floh, teils unter Geiselnahme. Die italienische Presse nannte ihn wegen einer seiner Taten am Valentinstag „Mostro di San Valentino“. Nach einer letzten Flucht 2013 nahm er sich 2015 in seiner Gefängniszelle das Leben.
Werdegang
Über seine Kindheit ist wenig bekannt, außer dass er in einer geordneten Familie in Savona aufwuchs. Am 16. Januar 1981 erschlug er an einer Raststätte an der Autobahn zwischen Savona und Genua nahe Celle Ligure die 32-jährige Prostituierte Paolina Fedi mit einem Stein. Als Motiv galt, dass die Frau kurz vor seiner geplanten Hochzeit drohte, seiner Verlobten von einer Affäre zu erzählen. Ein Gericht stufte ihn als schuldunfähig ein und ordnete seine Unterbringung in der psychiatrischen Anstalt von Aversa an.
Ausbrüche und weitere Taten
Schon 1983 entkam er während eines Hafturlaubs, kaperte ein Fahrzeug und nahm in Savona ein Schulmädchen als Geisel, nachdem er einen Verkehrspolizisten entwaffnet hatte. Nach einer Verschanzung ergab er sich und wurde in die forensische Anstalt Villa Medicea in Montelupo Fiorentino verlegt. Am 11. Januar 1989 floh er gemeinsam mit dem Mitinsassen Francesco Sedda erneut. Am 8. Februar 1989 erschoss das Duo an einer Raststätte bei Cantalupa die aus Uruguay stammende, in Mailand lebende Nahir Fernandez Rodriguez. Nur sechs Tage später, am 14. Februar 1989, erschoss er, wieder gemeinsam mit seinem Mitinsassen unterwegs, an der Küstenstraße von Genua den unter dem Namen „Vanessa“ bekannten Francesco Panizzi. Bei den Angriffen am 14. und 15. Februar verletzte er außerdem einen Kunden sowie eine weitere Frau namens Laura schwer; beide überlebten.
Festnahme und Urteil
Am 20. Februar 1989 wurde er in Genua festgenommen, bewaffnet mit einer Walther P38, während sein Mitinsasse bei derselben Polizeikontrolle zunächst fliehen konnte und sich erst Tage später stellte. Da er weiterhin als schuldunfähig galt, kehrte er in psychiatrische Verwahrung zurück und versuchte in den folgenden Jahren mehrfach zu fliehen, unter anderem 1990, 1991 und 1994. Sein Komplize starb 1994 an Aids in psychiatrischer Verwahrung. Als sich sein psychischer Zustand besserte, wurde er in reguläre Gefängnisse verlegt. 2006 verurteilte ihn ein Gericht wegen Raubs, Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes, beging aber während weiterer Hafturlaube erneut Raubtaten.
Letzte Flucht und Tod
Am 18. Dezember 2013 entkam er während eines Hafturlaubs aus dem Gefängnis Marassi in Genua, bedrohte einen Lieferanten mit einer Waffe und floh mit dessen Fahrzeug über die Grenze nach Frankreich. Die französische Polizei nahm ihn wenige Tage später im Grenzort Menton fest. Ein Gericht verurteilte ihn daraufhin zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft wegen der Flucht, Geiselnahme, schweren Raubs und illegalen Waffenbesitzes. Am 22. Januar 2015 wurde Bartolomeo Gagliano tot in seiner Zelle im Gefängnis von Sanremo aufgefunden, er hatte sich mit einem Bettlaken erhängt.