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Assadullah Sarwari

Luftaufnahme des Gefängnisses Pul-e-Charkhi bei Kabul
Wikimedia Commons / Jerome Starkey · CC BY-SA 2.0
400
Opfer
frei
KriegsverbrecherKabul , Afghanistan
Aktive Jahre
1978–1979

Assadullah Sarwari wurde 1941 in der afghanischen Provinz Ghazni geboren. Nach der kommunistischen Saur-Revolution im April 1978 übernahm er die Leitung des neu geschaffenen Geheimdienstes AGSA und ließ in seiner gut eineinhalbjährigen Amtszeit hunderte tatsächliche und vermeintliche Gegner der neuen Regierung verhaften, foltern und töten. Ein afghanisches Gericht verurteilte ihn 2006 dafür zum Tode, ein Berufungsgericht wandelte das Urteil 2008 in 19 Jahre Haft um, aus der er 2017 entlassen wurde.

Werdegang

Er diente unter König Mohammed Zahir Shah als Hubschrauberpilot der königlichen Luftwaffe und stieg unter dessen Nachfolger, Präsident Mohammed Daoud Khan, zum Kommandanten eines Luftwaffenstützpunkts auf. Nach dem Sturz Daoud Khans durch die kommunistische Volksdemokratische Partei Afghanistans (PDPA) im April 1978 machte ihn der neue Staatschef Nur Muhammad Taraki zum Chef des neu gegründeten Inlandsgeheimdienstes AGSA (Afghan Interests Protection Service).

Die Herrschaft der AGSA

Unter seiner Leitung entwickelte sich die AGSA zu einem der wichtigsten Repressionsinstrumente der jungen kommunistischen Regierung. Tausende Regimegegner, darunter islamistische Aktivisten, Stammesführer, Militärs und Intellektuelle, wurden verhaftet und größtenteils in das Gefängnis Pul-e-Charkhi am östlichen Stadtrand Kabuls gebracht, das binnen weniger Monate von rund 5000 auf mehr als 10.000 Insassen anwuchs. Berichten ehemaliger Häftlinge zufolge gehörten schwere Schläge, Elektroschocks und lang anhaltender Schlaf- und Nahrungsentzug zu den regelmäßig angewendeten Foltermethoden, viele Gefangene starben in der Haft oder wurden erschossen. Bei der Verhandlung 2006 sagten mehr als 20 Zeugen aus, die eigene Angehörige durch die AGSA verloren hatten, dem Gericht wurden zudem Videoaufnahmen von Dokumenten vorgelegt, auf denen er persönlich Hinrichtungsbefehle unterzeichnet haben soll.

Sturz, Exil und diplomatische Karriere

Im September 1979 beteiligte er sich an einem gescheiterten Komplott gegen den aufstrebenden Regierungschef Hafizullah Amin und floh anschließend mit drei Verbündeten, der später als „Bande der Vier” bekannten Gruppe, in die sowjetische Botschaft in Kabul. Dort verblieb er bis zum sowjetischen Einmarsch im Dezember 1979, der Amin stürzte und die Machtübernahme Babrak Karmals ermöglichte. Unter Karmal wurde er kurzzeitig stellvertretender Ministerpräsident, ehe er als Botschafter in die Mongolei, anschließend in die DDR und zuletzt in den Südjemen entsandt wurde. 1986 und erneut 1990 wurde er wegen des Verdachts auf Beteiligung an Umsturzversuchen aus der PDPA ausgeschlossen.

Festnahme und Prozess

Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Regierung 1992 nahm eine Miliz des Kommandanten Ahmad Shah Massoud ihn im Panjshir-Tal fest. Er blieb über Jahre in afghanischer Haft, ehe die neu gegründete Nationale Sicherheitsdirektion den Fall 2005 aufgriff und ihn am 25. Dezember 2005 offiziell wegen willkürlicher Verhaftung, Folter und Massenmordes anklagte. Am 25. Februar 2006 verurteilte ihn ein Gericht in Kabul zum Tode durch Erschießen, weil er die Tötung von mehr als 400 Menschen angeordnet habe. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisierten das Verfahren scharf als grob unfair, unter anderem wegen unzureichender Verteidigungsmöglichkeiten. 2008 wandelte ein Berufungsgericht das Todesurteil in eine 19-jährige Haftstrafe um.

Nachwirkungen

Im Januar 2017 wurde Assadullah Sarwari nach Verbüßung seiner Haftstrafe entlassen. Über sein Leben danach ist öffentlich kaum etwas bekannt. Sein Verfahren gilt bis heute als eines der wenigen Beispiele, in denen ein hochrangiger Verantwortlicher der kommunistischen Terrorherrschaft der späten 1970er Jahre in Afghanistan überhaupt strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurde, wenngleich internationale Beobachter am fairen Ablauf des Prozesses erhebliche Zweifel äußerten.