Arthur Hosein
- Mörder — Stocking Pelham , Großbritannien
- Aktive Jahre
- 1969
- Modus Operandi
- EntführungErpressungKomplizen
Ein Rolls-Royce mit Chauffeur bog in eine Straße in Wimbledon ein, und zwei Brüder aus Trinidad glaubten, endlich das Auto der Frau gefunden zu haben, die sie entführen wollten. Sie hatten sich geirrt. Statt der Ehefrau des Medienmoguls Rupert Murdoch gerieten sie an eine 55-jährige Hausfrau, die mit der Sache überhaupt nichts zu tun hatte, und lösten damit einen der aufsehenerregendsten Kriminalfälle der britischen Nachkriegsgeschichte aus.
Werdegang
Arthur Hosein wurde 1936 in Dow Village auf Trinidad geboren. Nach seinem Militärdienst zog er nach England und arbeitete zunächst als Zuschneider in der Textilbranche in Hackney, Ost-London. 1968 kaufte er mit geliehenem Geld die abgelegene Rooks Farm bei Stocking Pelham in Hertfordshire und geriet dabei rasch in finanzielle Schwierigkeiten. Er lebte dort mit seiner deutschen Ehefrau Elsa und den gemeinsamen Kindern. Im August 1969 holte er seinen jüngeren Bruder Nizamodeen Hosein aus Trinidad, der fortan als Landarbeiter auf dem Hof half.
Am 3. Oktober 1969 sah Arthur Hosein ein Fernsehinterview mit Rupert Murdoch, der gerade die Zeitungen News of the World und The Sun übernommen hatte. Die schiere Höhe von Murdochs Vermögen brachte den hoch verschuldeten Farmer auf eine Idee: Er wollte Murdochs Ehefrau Anna entführen und Lösegeld erpressen.
Die Tat
Die Brüder verfolgten den chauffeurgefahrenen Rolls-Royce, den sie für Murdochs Fahrzeug hielten, bis zu einem Haus in der Arthur Road in Wimbledon. Tatsächlich hatte Murdoch den Wagen samt Fahrer nur an seinen Stellvertreter Alick McKay ausgeliehen. Am 29. Dezember 1969 drangen die Brüder in das Haus der Familie McKay ein und entführten dessen Ehefrau Muriel, während ihr Mann noch bei der Arbeit war. Am Tatort blieben Pflaster, Bindfaden, eine Zeitung und ein Hippenmesser zurück.
Über die folgenden 40 Tage meldete sich ein Anrufer, der sich selbst „M3” nannte, insgesamt 18 Mal und forderte ein Lösegeld von einer Million Pfund. Dazu kamen drei Briefe sowie fünf Briefe, die angeblich von Muriel McKay selbst stammten, samt Kleidungsstücken als vermeintlicher Beweis, dass sie noch lebte. Zwei Versuche, das Lösegeld zu übergeben, scheiterten: Am 1. Februar 1970 zog sich die Polizei wegen zu starker Präsenz zurück, am 6. Februar hoben zwei als Kuriere getarnte Beamte zwar präpariertes Falschgeld an einer Telefonzelle in Tottenham ab, ein zufällig vorbeikommendes Paar entdeckte die Koffer jedoch zuerst.
Ermittlung und Festnahme
Ermittler verfolgten das Kennzeichen eines blauen Volvo, der in der Nähe der Geldübergabe beobachtet worden war, bis zur Rooks Farm. Bei der Durchsuchung des Hofs fanden sie ein Notizbuch mit herausgerissenen Seiten, die zu Muriels Briefen passten, sowie identischen Bindfaden und Klebeband. Arthur Hoseins Fingerabdrücke stimmten mit denen auf den Erpresserbriefen überein, und Nizamodeens Stimme glich den Tonbandaufnahmen von „M3”. Am 7. Februar 1970 nahm die Polizei beide Brüder fest. Von Muriel McKay fehlte trotz umfangreicher Suche jede Spur, ihre Leiche wurde nie gefunden.
Prozess und Verurteilung
Der Prozess am Old Bailey begann am 14. September 1970. Die Anklage lautete auf Mord, Entführung und Erpressung. Richter Mr Justice Shaw bezeichnete das Verhalten der Brüder als „kaltblütig und abscheulich”. Am 6. Oktober 1970 wurden beide für schuldig befunden, in einem der ersten britischen Mordurteile ohne aufgefundene Leiche. Arthur Hosein erhielt lebenslange Haft für Mord, dazu 25 Jahre für Entführung, 14 Jahre für Erpressung und 10 Jahre für die Drohbriefe.
Nachwirkungen
Arthur Hoseins Berufungen gegen das Urteil scheiterten ebenso wie seine Anträge auf vorzeitige Entlassung 1987 und 1994. Er verbrachte den Rest seines Lebens in Haft, zuletzt im Ashworth Hospital, einer Einrichtung für psychisch kranke Straftäter, wo er 2009 starb. Sein jüngerer Bruder Nizamodeen Hosein wurde nach 20 Jahren Haft nach Trinidad abgeschoben und gab Jahrzehnte später an, wo die Leiche verscharrt worden sei. Trotz mehrerer Suchaktionen in den 2020er Jahren, zuletzt 2026 an einem Grundstück in Bethnal Green, blieb Muriel McKays Leichnam bis heute unauffindbar.