Arthur Gatter
- Aktive Jahre
- 1990
- Modus Operandi
- Stumpfe Gewalt
Im Frühjahr 1990 schliefen viele Frankfurter Obdachlose aus Angst nicht mehr allein. Die zeitgenössische ZEIT-Reportage über die damalige Fahndung zeigt, wie die Serie das Leben auf der Straße veränderte. Wenige Tage nach ihrem Erscheinen wurde Arthur Gatter gefasst. Er hatte sieben Männer getötet und einen weiteren schwer verletzt; vor dem Prozess starb er durch Suizid.
Werdegang
Er arbeitete als Elektriker, lebte zeitweise in Australien und später auf Baustellen im Nahen Osten. Ab den 1980er Jahren war er nicht mehr arbeitsfähig, verlor nach Sachbeschädigungen in seiner Wohnung schließlich auch diese und lebte zuletzt selbst obdachlos. In dieser Zeit verschlechterte sich eine bereits bestehende Schizophrenie zusehends, ab 1987 hörte er nach eigenen Angaben Stimmen.
Taten
Zwischen dem 1. Februar und dem 22. Mai 1990 überfiel er in den Frankfurter Wallanlagen gezielt Menschen, die auf Parkbänken schliefen, und schlug mit einem Schlosserhammer auf sie ein. Er beobachtete seine Opfer zuvor sorgfältig und trug leise Gummisohlenschuhe, um sich unbemerkt zu nähern. Sieben Männer starben an den Folgen der Schläge: Hans-Peter „Peterchen” S. (43) am 2. Februar, Kurt-Helmut H. (22) am 7. Februar, Helmut R. am 2. April, Hans-Peter M. (46) am 4. Mai sowie Engelbert G. (60) und Nicola Z. (42) am 5. Mai und schließlich Heinrich O. am 22. Mai. Den brasilianischen Staatsangehörigen Anderson S. stach und schlug er am 20. Mai schwer nieder, das Opfer überlebte jedoch.
Ermittlung und Festnahme
Nach dem dritten bestätigten Mord richtete die Polizei unter Kriminalhauptkommissar Karlheinz Wagner die Sonderkommission „Berber” ein. Die Ermittler platzierten Schaufensterpuppen als Köder auf Parkbänken, setzten Zivilbeamte als Lockvögel ein, versteckten Kameras in Vogelhäuschen und befragten Reinigungen nach blutverschmutzter Kleidung, zunächst ohne Erfolg. Am 22. Mai 1990 wurde er festgenommen, nur zwölf Minuten nachdem ein Zeuge den Angriff auf Heinrich O. beobachtet und die Polizei alarmiert hatte. Bei ihm fanden die Beamten den in einer Plastiktüte unter dem Arm versteckten Hammer.
Diagnose und Tod
Ein psychiatrisches Gutachten stellte eine fortgeschrittene paranoide Schizophrenie fest und attestierte ihm Verhandlungsunfähigkeit. Noch vor Prozessbeginn nahm er sich am 12. Dezember 1990 in der psychiatrischen Unterbringung in Gießen mit einer Mullbinde das Leben.
Nachwirkungen
Weil es nie zu einem Prozess kam, blieben viele Fragen zu seiner Motivation offiziell ungeklärt. Der Fall gilt dennoch als Beispiel dafür, wie unbehandelte psychische Erkrankungen in Extremfällen eskalieren können, und prägte in Frankfurt jahrelang die Debatte um den Schutz obdachloser Menschen.