← Zum Verzeichnis

Ari Mahmod

Mitcham Green im Süden Londons, in dessen Nähe Banaz Mahmod lebte
Peter Trimming, via Wikimedia Commons (geograph.org.uk) · CC BY-SA 2.0
1
Opfer
inhaftiert
EhrenmörderLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
2006

Ari Mahmod ordnete gemeinsam mit seinem Bruder Mahmod Mahmod im Dezember 2005 die Ermordung von dessen 20 Jahre alter Tochter Banaz an, weil sie sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt und eine neue, selbst gewählte Beziehung begonnen hatte. Drei weitere Familienangehörige führten die Tat im Januar 2006 in Mitcham im Süden Londons aus. Obwohl Banaz die Polizei mehrfach vorab über die Morddrohungen ihrer Familie informiert hatte, wurde sie nicht ausreichend geschützt, ein Versäumnis, das später von einer unabhängigen Polizeikommission scharf kritisiert wurde.

Werdegang

Die Familie Mahmod stammte aus der ländlichen Region um Qaladiza in irakisch Kurdistan und beantragte 1995 Asyl im Vereinigten Königreich. Formal war sein Bruder Mahmod als ältester der vier Brüder das Familienoberhaupt, tatsächlich hatte jedoch Ari die Rolle des eigentlichen Entscheidungsträgers der Familie inne. Die Familie hielt an strengen traditionellen Vorstellungen fest, Banaz und ihre drei älteren Schwestern wurden als Kinder genitalverstümmelt. Banaz’ Schwester Bekhal war bereits 2002 aus dem Elternhaus geflohen, nachdem sie wegen westlicher Kleidung und eigenständiger Kontakte körperliche Gewalt und Todesdrohungen erlebt hatte, was der Familie in der kurdischen Gemeinschaft als Schande angerechnet wurde.

Kriminelle Aktivitäten

Mit 16 oder 17 Jahren wurde Banaz zur Heirat mit einem rund zehn Jahre älteren Mann aus Qaladiza gezwungen. Innerhalb der folgenden zwei Jahre meldete sie der Polizei wiederholt Vergewaltigungen und Misshandlungen durch ihren Ehemann, ihre Familie wusste davon, bestand jedoch darauf, dass eine Trennung Schande bringen würde. Im Juli 2005 verließ Banaz ihren Mann und begann eine Beziehung mit Rahmat Sulemani, einem Mann ihrer eigenen Wahl. Am 2. Dezember 2005 beschloss ein Familientreffen im Haus von Ari, dass sowohl Banaz als auch Sulemani wegen der Schande, die sie über die Familie gebracht hätten, getötet werden sollten. Am 24. Januar 2006 überfielen drei männliche Verwandte, die Cousins Mohammed Saleh Ali und Omar Hussain sowie Mohamad Marid Hama, Banaz im leerstehenden Wohnzimmer des Elternhauses, vergewaltigten und folterten sie über mehr als zwei Stunden und erwürgten sie schließlich mit einer Fesselschlinge. Ihre Leiche wurde in einen Koffer gepackt und ins rund 200 Kilometer entfernte Birmingham transportiert, wo sie im Garten eines Hauses vergraben wurde.

Ermittlung und Festnahme

Bereits am 2. Dezember 2005 hatte Banaz selbst bei der Polizei die Morddrohungen ihrer Familie gemeldet. Der entscheidende Hinweis kam von Mohamad Marid Hama, der nach seiner Festnahme am 4. Februar 2006 in einer heimlich aufgezeichneten Gefängniszelle mit seiner Beteiligung sowie der von Ari und den Cousins prahlte. Am 28. April 2006 fanden Ermittler anhand von Handy- und Fahrzeugdaten sowie der Aufzeichnungen Banaz’ sterbliche Überreste in einem Garten in Birmingham.

Prozess

Der erste Prozess am Central Criminal Court (Old Bailey) begann am 5. März 2007 und dauerte 14 Wochen. Im Juni 2007 wurde Ari Mahmod, den die Ermittler als eigentlichen Entscheidungsträger hinter der Tat betrachteten, zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 23 Jahren verurteilt. In einem zweiten Prozess wurden im November 2010 die Cousins Mohammed Saleh Ali und Omar Hussain, die zwischenzeitlich nach irakisch Kurdistan geflohen waren, wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nachwirkungen

Eine Untersuchung der unabhängigen Polizeibeschwerdekommission IPCC kam zu dem Schluss, dass Banaz von der Polizei „im Stich gelassen” worden war, bemängelt wurden Verzögerungen, mangelhafte Aufsicht und fehlendes Verständnis für die Gefahrenlage. Rahmat Sulemani, Banaz’ Partner, lebte nach der Tat unter Zeugenschutz und sagte trotz Drohungen gegen seine Familie im Iran in beiden Prozessen aus, er nahm sich 2016 das Leben. Der Fall gilt bis heute als einer der einflussreichsten in der britischen Debatte über Ehrenmorde, Zwangsheirat und Versäumnisse der Polizei im Umgang mit entsprechenden Warnzeichen.

Die unmittelbaren Täter Mohammed Saleh Ali, Omar Hussain und Mohamad Marid Hama werden in eigenen Profilen behandelt.

Mehr zum Fall

Werbung · Affiliate-Links