Archibald Hall
- Aktive Jahre
- 1977–1978
- Modus Operandi
- ErschießenErstickenStumpfe GewaltErtränkenEinbruchKomplizen
Im Kofferraum eines Mietwagens fanden Polizisten am 16. Januar 1978 die Leiche von Donald Hall. Das falsche Nummernschild hatte einen Hotelbesitzer misstrauisch gemacht und beendete eine Serie von fünf Tötungen in weniger als sieben Monaten. Archibald Hall hatte als Butler Zugang zu wohlhabenden Haushalten gewonnen, sie bestohlen und schließlich Menschen aus seinem Umfeld getötet.
Werdegang
Geboren wurde er am 17. Juni 1924 in Glasgow, aufgewachsen in Armut. Schon mit 15 Jahren beging er seine ersten Einbrüche, es folgten Jahrzehnte zwischen Gefängniszellen und gehobenen Kreisen. Im Gefängnis brachte er sich systematisch bei, wie sich ein Gentleman bewegt, spricht und kleidet: welcher Wein zu welchem Fleisch passt, wie man Silber vom Zinn unterscheidet, wie man einen schottischen Akzent gegen ein kultiviertes Englisch austauscht. Unter dem Namen Roy Fontaine, einem von mehreren Aliasnamen, die er im Lauf seines Lebens nutzte, arbeitete er sich in die Dienste betuchter Familien vor. Ab 1975 war er Butler bei einer Lady Hudson, später wechselte er zum Ehepaar Walter und Dorothy Scott-Elliot in London. Sein eigentliches Geschäft blieb dabei stets derselbe Diebstahl, den er schon als Teenager gelernt hatte, nur mit besserem Zugang.
Taten
Im Juli 1977 erschoss er seinen früheren Geliebten David Wright während einer Kaninchenjagd auf dem Anwesen Kirtleton House in Dumfriesshire und vergrub die Leiche dort. Im Dezember 1977 folgten Walter und Dorothy Scott-Elliot: Dorothy erstickte er am 8. Dezember mit einem Kissen, ihren Ehemann Walter erschlug er am 14. Dezember mit einer Schaufel, nachdem er ihn zuvor stranguliert hatte. Eine Komplizin, Mary Coggle, die den Männern half, die Leichen zu entsorgen, tötete er wenig später mit einem Schürhaken, weil sie ihm zu unvorsichtig wurde. Sein letztes Opfer war sein eigener Halbbruder Donald Hall: Am 15. Januar 1978 betäubte er ihn mit Chloroform und ertränkte ihn in der Badewanne, weil dieser von den Morden erfahren hatte.
Ermittlung und Festnahme
Auf der Flucht mit der Leiche seines Halbbruders im Kofferraum eines Mietwagens machte er den entscheidenden Fehler: Das Nummernschild des Wagens stimmte nicht mit den Papieren überein. Ein misstrauischer Hotelbesitzer in North Berwick, wo Archibald Hall am 16. Januar 1978 abgestiegen war, rief die Polizei. Die Beamten öffneten den Kofferraum und fanden Donalds Leiche. Er versuchte noch, durch ein Toilettenfenster zu fliehen, wurde aber wenig später an einer Straßensperre bei Haddington gefasst. Nach einem gescheiterten Suizidversuch zwei Tage nach der Festnahme legte er ein umfassendes Geständnis ab, das die Ermittler zu den übrigen vier Leichen führte.
Prozess
Im Mai und November 1978 wurde vor Gerichten in Edinburgh und London verhandelt. Michael Kitto, der ihm bei mehreren Taten geholfen hatte, erhielt mehrere lebenslange Haftstrafen. Archibald Hall selbst wurde für vier der fünf Morde verurteilt, die Anklage im Fall Dorothy Scott-Elliot blieb formal ruhend. Ein zeitgenössischer Bericht der Washington Post dokumentiert das Geständnis und die lebenslangen Strafen nach dem Londoner Verfahren.
Nachwirkungen
Archibald Hall verbrachte die restlichen 24 Jahre seines Lebens hinter Gittern und wurde einer der ältesten lebenslang inhaftierten Gefangenen des Landes. 1999 veröffentlichte er die Autobiografie „A Perfect Gentleman“, in der er offen über die kalte, gefühllose Seite seiner Persönlichkeit sprach, die ihn zum Töten fähig gemacht hatte. Er starb am 16. September 2002 im Alter von 78 Jahren an einem Schlaganfall im Gefängnis von Portsmouth. Der Fall Archibald Hall gilt bis heute als eines der ungewöhnlichsten Verbrecherporträts der britischen Kriminalgeschichte: ein Mann, der sich die Etikette der Oberschicht so perfekt aneignete, dass sie ihm über Monate hinweg Zugang zu ihren Häusern und schließlich zu ihrem Leben verschaffte.