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Anxiang Du

Ein Gemeindezentrum im Vorort Wootton bei Northampton, in dem Anxiang Du 2011 die vierköpfige Familie Ding tötete
Kokai / Geograph Britain and Ireland / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
4
Opfer
inhaftiert
MassenmörderNorthampton , Großbritannien
Aktive Jahre
2011
Modus Operandi
Erstechen

Am Tag der königlichen Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton, als ganz Großbritannien vor dem Fernseher saß, bestieg ein Geschäftsmann aus Coventry mehrere Züge und einen Bus, um in einem ruhigen Vorort von Northampton eine ganze Familie auszulöschen. Anxiang Du tötete vier Menschen aus Rache für einen verlorenen Rechtsstreit und floh anschließend über halb Europa bis nach Marokko, wo ihn ein weltweiter Fahndungsaufruf erst 14 Monate später einholte.

Werdegang

Anxiang Du, geboren 1958, betrieb gemeinsam mit dem Ehepaar Jifeng „Jeff” Ding und Helen Chui ein Geschäft für traditionelle chinesische Heilkräuter in Birmingham. Als die geschäftliche Partnerschaft scheiterte, begann 1999 ein zehn Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen ihm und der Familie Ding. Nachdem er sämtliche Berufungen verloren hatte, stand er vor einer Rechnung von umgerechnet rund 100.000 Euro an Gerichts- und Anwaltskosten. Am 28. April 2011, einen Tag vor der Tat, wurde ihm gerichtlich untersagt, sein Vermögen zu veräußern.

Die Tat

Am 29. April 2011, dem Tag der königlichen Hochzeit und eines zusätzlichen Feiertags in Großbritannien, verließ Anxiang Du seine Wohnung in Coventry mit einem Messer und einem Abschiedsbrief an seine eigene Familie. Er fuhr mit dem Zug über Birmingham nach Northampton und von dort mit dem Bus in den Vorort Wootton, wo die Dings in einem Reihenhaus in der Pioneer Close lebten. Gegen 15:30 Uhr erstach er zunächst Jeff und Helen in der Küche, anschließend ging er nach oben und tötete auch die beiden Töchter Xing, 18, und Alice, 12, in ihrem Zimmer. Jeff wurde 23-mal, Helen 13-mal, Xing 11-mal und die zwölfjährige Alice viermal mit dem Messer verletzt. Während des Angriffs setzte Alice noch einen Notruf ab, bei dem die Schreie beider Mädchen zu hören waren, die Polizei schickte jedoch irrtümlich Beamte zu einer falschen Adresse und schloss den Einsatz daraufhin ohne weitere Prüfung ab.

Flucht

Anxiang Du stahl das Auto der Familie und fuhr in der folgenden Nacht bis nach London, wo automatische Kennzeichenerkennungskameras das Fahrzeug nicht registrierten. Er ließ den Wagen in St. John’s Wood zurück, wo er elf Tage lang unbemerkt stehen blieb und mehrere Strafzettel sammelte. Am 30. April kaufte er unter seinem eigenen Namen ein Bustticket nach Paris. Erst am 1. Mai, als die Polizei erneut an der Tür der Dings klingelte und niemand öffnete, wurde ein Nachbar auf die Leichen aufmerksam. Anxiang Du reiste unterdessen über Frankreich und Spanien weiter, nahm eine Fähre von Algeciras nach Tanger und gelangte schließlich bis in die marokkanische Grenzstadt Oujda, wo er zunächst als mutmaßlicher illegaler Einwanderer festgenommen, mangels Identitätsnachweis aber wieder freigelassen wurde, da die marokkanischen Behörden nichts von der internationalen Fahndung wussten. Über ein Jahr lang lebte er unerkannt in einem halbfertigen Rohbau, bis ein Bauarbeiter ihn anhand eines in der Lokalpresse veröffentlichten Fotos wiedererkannte. Am 7. Juli 2012 wurde er festgenommen und im Februar 2013 nach Großbritannien ausgeliefert.

Prozess

Der Prozess gegen Anxiang Du begann im November 2013 am Crown Court in Northampton. Er bestritt die Tat, die Geschworenen sprachen ihn jedoch am 27. November 2013 in allen vier Fällen des Mordes schuldig. Am 28. November 2013 verurteilte ihn das Gericht zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 40 Jahren. Ein späterer Antrag auf Herabsetzung dieser Mindestfrist wurde 2014 abgelehnt, das Berufungsgericht verwies dabei unter anderem auf vergleichbar harte Urteile in anderen britischen Fällen mit ausgelöschten Familien.

Nachwirkungen

Der Fall erschütterte Northampton nachhaltig, nicht zuletzt wegen der offensichtlichen Ermittlungspanne beim Notruf der jungen Alice Ding, die im Prozess öffentlich thematisiert wurde. Xing Ding, die kurz vor ihrem Tod einen Studienplatz für Medizin an der University of Nottingham erhalten hatte, wurden posthum mehrere Bestnoten ihrer ausstehenden Abschlussprüfungen verliehen. Anxiang Du sitzt weiterhin seine lebenslange Haftstrafe ab.