Antoinette Scieri
- Aktive Jahre
- 1924–1926
- Modus Operandi
- VergiftungVortäuschung von Hilfsbedürftigkeit
Als ein Gericht in Nîmes Antoinette Scieri im April 1926 zum Tode verurteilte, berichtete das zeitgenössische Magazin TIME von sechs Mordschuldsprüchen. Spätere Nachschlagewerke nennen bis zu zwölf vergiftete Patienten im südfranzösischen Saint-Gilles. Diese höhere Zahl bleibt eine Zuschreibung und darf nicht mit dem belegten Umfang des Urteils gleichgesetzt werden.
Werdegang
Über Antoinettes Kindheit in Italien ist wenig bekannt, sie wanderte als Kind mit ihrer Familie nach Frankreich aus. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete sie in einer Sanitätsstelle im nordfranzösischen Doullens, wo sie systematisch Verwundete bestahl und Unterschriften fälschte, um zusätzliches Geld zu erschleichen. 1915 flog der Betrug auf, sie wurde inhaftiert und 1916 wieder entlassen.
Danach heiratete sie einen italienischen Soldaten namens Salmon, mit dem sie zwei Kinder bekam, die Ehe zerbrach jedoch bald wieder. Anschließend lebte sie mit dem alkoholkranken Joseph Rossignol zusammen. 1920 zog das Paar in das südfranzösische Dorf Saint-Gilles im Département Gard, wo sie sich fortan als ausgebildete Krankenpflegerin ausgab und alte, oft alleinstehende Dorfbewohner privat pflegte.
Die Taten
Ab 1924, mit einer deutlichen Häufung ab Dezember desselben Jahres, begannen in Saint-Gilles auffällig viele ihrer Patienten zu sterben. Sie vergiftete sie mit Pyralion, einem arsenhaltigen Herbizid, das sie den Kranken unbemerkt in Essen oder Getränke mischte. Zu den bekannten Opfern zählten ein 58-jähriger Mann namens Drouard, der am 11. Dezember 1924 starb, das Ehepaar Lachapelle, das über die Weihnachtstage starb, die 67-jährige Marie Martin sowie eine Madame Gouan-Criquet. Im Januar 1925 vergiftete sie auch ihren eigenen Lebensgefährten Joseph Rossignol.
Als Motiv gab sie später eine krankhafte Freude am Zusehen der Sterbequalen ihrer Opfer an, gelegentlich bereicherte sie sich zusätzlich an deren Wertgegenständen oder Ersparnissen.
Ermittlung und Prozess
Die ungewöhnlich hohe Sterblichkeit unter ihren Patienten weckte irgendwann Verdacht, am 9. April 1926 wurde sie verhaftet. Ermittler fanden unter dem Bett eines ihrer Opfer eine Flasche mit dem Herbizid Pyralion, Obduktionen der Leichen, die eigens dafür auf dem Friedhof von Saint-Gilles exhumiert wurden, bestätigten massive Arsenmengen in den inneren Organen.
Der Prozess fand vor dem Schwurgericht des Départements Gard in Nîmes statt. Antoinette legte ein Geständnis ab. Der vorsitzende Richter bezeichnete sie in seinem Urteil als Verkörperung “moralischer Verkommenheit” und “aller Laster”. Am 27. April 1926 wurde sie wegen sechs Morden zum Tode verurteilt. Spätere Darstellungen erhöhten die Zahl auf zwölf, ohne dass dieser weitergehende Umfang durch die zeitgenössische Urteilsberichterstattung ebenso belastbar belegt ist.
Nachwirkungen
Da in Frankreich seit 1918 keine Frau mehr hingerichtet worden war, wandelte man das Todesurteil in lebenslange Haft um. Antoinette verbüßte mehr als drei Jahrzehnte in Haft, ehe sie 1960 freikam. Sie starb acht Jahre später, 1968, im Alter von 78 Jahren als freie Frau, ein Ausgang, den viele Zeitgenossen angesichts der Schwere ihrer Taten als bemerkenswert milde empfanden.