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Andrzej Kunowski

Die U-Bahn-Station Hammersmith in London, im Stadtteil, in dem Andrzej Kunowski 1997 ein zwölfjähriges Mädchen ermordete
Chmee2, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
1
Opfer
verstorben
Mörder — London , Großbritannien
Aktive Jahre
1973–2003

Ein Vater hört durch einen Türspalt einen Kampf im eigenen Wohnzimmer und kommt trotzdem zu spät. Sieben Jahre lang findet die Polizei keine Spur zu dem Mann, der seine zwölfjährige Tochter erwürgt hat, bis ihn ausgerechnet eine völlig andere Tat verrät. Andrzej Kunowski lebte da bereits seit Jahren unter dem Radar in London, mit einem Vorleben in Polen, das Ermittler später als eines der schlimmsten Sexualstraftäter-Register beschrieben, das ihnen je begegnet sei.

Werdegang

Er wurde am 29. März 1956 in Warschau geboren und wuchs, nachdem sein Vater dort Arbeit gefunden hatte, im polnischen Mława auf, in einer nach außen unauffälligen Familie. Schon als Jugendlicher stahl er Geld von seinen Eltern und lief von zu Hause weg. 1973, mit 17 Jahren, wurde er erstmals wegen Vergewaltigung verurteilt und erhielt drei Jahre Haft. Nach seiner Entlassung arbeitete er zeitweise als Krankenwagenfahrer und nutzte diese Rolle über Jahre, um Frauen und Mädchen in den Kleinstädten rund um Warschau aufzulauern, etwa beim Erdbeerpflücken am Straßenrand, sie in sein Fahrzeug zu zerren und zu vergewaltigen. 1980 stand er in Ciechanów wegen versuchten Mordes, 25 Fällen von Vergewaltigung, mehrerer Raubdelikte und einer Flucht vor Gericht. Der Staatsanwalt forderte 25 Jahre Haft und warnte, seine Taten würden bei einer Freilassung nur noch schlimmer werden. Das Gericht verhängte dennoch nur 15 Jahre, von denen er 1991 vorzeitig entlassen wurde. In dieser Zeit verschwand außerdem die 14-jährige Schülerin Agnieszka Grzybicka spurlos in der Nähe von Mława, er wurde dazu befragt, eine Anklage kam jedoch nie zustande.

1995 erneut wegen der Vergewaltigung zweier Mädchen festgenommen, nutzte er einen Freigang wegen eines angeblichen Herzleidens zur Flucht: Er hatte bereits ein Jahr zuvor seine Wohnung in Mława verkauft, sich von dem Geld einen gefälschten Pass besorgt und setzte sich damit nach England ab.

Die Tat

In London fand Andrzej Arbeit in einer Reinigung in Acton und begann bald, Mädchen aus der Nachbarschaft zu beobachten. Am 22. Mai 1997 folgte er der zwölfjährigen Katerina Koneva, Tochter mazedonischer Einwanderer, von der Schule bis zu ihrer Wohnung im Stadtteil Hammersmith. Er drang ein, verkeilte die Tür mit einem Stuhl und erwürgte das Mädchen mit einer Kordel. Ihr Vater Trajce Konev hörte den Kampf, konnte die Tür aber erst öffnen, als es fast zu spät war. Er durchtrennte die Kordel noch selbst, doch weder er noch später eintreffende Polizei und Sanitäter konnten seine Tochter wiederbeleben. Der Täter sprang aus einem Fenster, bedrohte den Vater mit einem Messer und raubte in seiner Flucht ein parkendes Auto.

Sieben Jahre ohne Spur

Scotland Yard setzte damals eine Belohnung von 20.000 Pfund aus, am Tatort sichergestellte Haare und Fingerabdrücke ließen sich jedoch mit keinem bereits erfassten Straftäter abgleichen. Der Fall blieb ungeklärt, bis er 2002 eine 21-jährige südkoreanische Studentin in seiner eigenen Wohnung überfiel. Ihr gelang die Flucht, sie zeigte ihn an. Bei seiner Festnahme wegen dieser Vergewaltigung wurde routinemäßig seine DNA in die polizeiliche Datenbank aufgenommen und mit ungeklärten Fällen abgeglichen. Der Treffer war eindeutig: DNA-Spuren und Fingerabdrücke auf Katerina Konevas Strickjacke stimmten exakt mit seinem Profil überein. In der Vernehmung räumte er schließlich ein, sich seit Jahren auch vor der polnischen Polizei wegen der dortigen Vergewaltigungsvorwürfe versteckt zu haben.

Prozess

Im März 2004 stand Andrzej Kunowski wegen des Mordes an Katerina Koneva vor dem Old Bailey in London. Das Gericht verurteilte ihn am 31. März 2004 zu lebenslanger Haft ohne jede Aussicht auf Entlassung. Vertreter der Anklage bezeichneten ihn als einen der gefährlichsten und produktivsten Sexualstraftäter, denen sie je begegnet seien, mit mindestens 27 dokumentierten Sexualdelikten in Polen allein vor 1996.

Nachwirkungen

Andrzej Kunowski starb am 23. September 2009 im Gefängnis Frankland in Durham an Herzversagen. Die Polizei bat die Öffentlichkeit noch nach seinem Tod öffentlich um Hinweise zu möglichen weiteren, bis heute ungeklärten Taten aus seinen Jahren in Polen und England, ohne dass sich daraus neue Erkenntnisse ergaben.