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Andrei Chikatilo

genannt „Ripper von Rostow"

Andrei Chikatilo nach seiner Festnahme, 1990
Sowjetische Behörden, via Wikimedia Commons · Public Domain
52
Opfer
„Ripper von Rostow"
hingerichtet
SerienmörderRostow am Don , Russland
Aktive Jahre
1978–1990
Modus Operandi
ErstechenZerstückelung

Für den ersten Mord wurde zunächst ein anderer Mann verurteilt, während Andrei Romanowitsch Chikatilo weiter tötete. Das Regionalgericht Rostow sprach ihn 1992 wegen 52 Morden schuldig, wie Amnesty International in der zeitgenössischen Dokumentation des Todesurteils festhielt. Die Taten fielen in die Zeit der Sowjetunion; die Region um Rostow am Don gehört heute zu Russland, weshalb der Fall hier unter Russland geführt wird.

Werdegang

Seine Kindheit fiel in die Zeit der sowjetischen Hungersnot der frühen 1930er-Jahre. Nach eigenen, nicht unabhängig bestätigten Angaben soll ein älterer Bruder während dieser Zeit von hungernden Nachbarn getötet und verzehrt worden sein, ein Trauma, das er später als mögliche Erklärung für seine Taten anführte. Er studierte Philologie und Ingenieurwesen und arbeitete als Lehrer, wobei er unter Impotenz und ausgeprägten Minderwertigkeitsgefühlen litt. Bereits im Schuldienst entwickelte er eine sexuelle Fixierung auf Kinder, drang wiederholt in Umkleideräume ein und wurde deshalb mehrfach versetzt.

Kriminelle Aktivitäten

Am 22. Dezember 1978 tötete er sein erstes bekanntes Opfer, die neunjährige Lena Zakotnowa, die er in seine Datscha lockte. Für diese Tat wurde zunächst ein Unschuldiger hingerichtet, während er selbst unentdeckt blieb. In den folgenden Jahren sprach er potenzielle Opfer gezielt an Bahnhöfen und Bushaltestellen an, häufig Landstreicher, Prostituierte oder vernachlässigte Kinder, und lockte sie mit Süßigkeiten, Geld oder Alkohol in nahegelegene Waldgebiete. Dort tötete er sie mit einem Messer und verstümmelte die Leichen in ritualisierter Weise, wobei er unter anderem Augen und Genitalien entfernte.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch, Auswahl der gerichtlich festgestellten Fälle):

  1. Lena Zakotnowa (9), 22. Dezember 1978
  2. Larissa Tkatschenko (17), 3. September 1981
  3. Ljubow Birjuk (13), 12. Juni 1982
  4. Ljubow Wolobujewa (14), 25. Juni 1982
  5. Oleg Poschidajew (9), 13. August 1982
  6. Olga Kuprina (16), 16. August 1982
  7. Irina Karabelnikowa (19), 8. September 1982
  8. Sergei Kusmin (15), 15. September 1982
  9. Olga Stalmatschenok (10), 11. Dezember 1982
  10. Dmitri Ptaschnikow (10), 24. März 1984
  11. Tatjana Petrosjan (32) und ihre Tochter Swetlana (11), 25. Mai 1984
  12. Anna Lemeschowa (19), 19. Juli 1984
  13. Alexander Tschepel (11), 28. August 1984
  14. Natalja Pochlistowa (18), 31. Juli 1985
  15. Irina Guljajewa (18), 27. August 1985
  16. Alexei Woronko (9), 16. Mai 1988
  17. Alexei Moissejew (10), 20. Juni 1989
  18. Alexander Djakonow (8), 11. Mai 1989
  19. Alexei Chobotow (10), 28. August 1989
  20. Andrei Krawtschenko (11), 14. Januar 1990
  21. Wadim Grokow (16), 17. Oktober 1990
  22. Swetlana Korostik (22), 6. November 1990

Insgesamt stellte das Gericht 52 Morde als erwiesen fest, weitere mögliche Fälle blieben ungeklärt. Nicht bei allen Opfern konnten Name und genaues Datum vollständig rekonstruiert werden.

Ermittlung und Festnahme

Die Ermittlungen liefen über Jahre unter dem Decknamen „Operation Lesopolossa” und galten als eine der größten Fahndungen der sowjetischen Kriminalgeschichte. Am 20. November 1990 geriet er einer Polizeistreife in der Nähe eines Tatorts ins Visier, was schließlich zu seiner Festnahme am 20. Dezember 1990 führte. Nach anfänglichem Leugnen gestand er umfassend und führte die Ermittler zu mehreren bis dahin unentdeckten Tatorten.

Prozess und Hinrichtung

Der Prozess 1992 fand unter außergewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen statt, unter anderem wurde er während der Verhandlung in einem Metallkäfig gehalten, da Angehörige der Opfer wiederholt versuchten, ihn zu attackieren. Das Gericht befand ihn für schuldfähig und verurteilte ihn wegen 52-fachen Mordes zum Tode. Am 14. Februar 1994 wurde er im Gefängnis von Nowotscherkassk durch einen Schuss in den Hinterkopf hingerichtet.

Nachwirkungen

Der Fall Andrei Chikatilo gilt als eines der bekanntesten Beispiele für die Schwierigkeiten der sowjetischen Strafverfolgung im Umgang mit Serienmord, einem Phänomen, das offiziell lange als typisch „westliches” Verbrechen galt und dessen Existenz in der UdSSR zunächst heruntergespielt wurde.

Dieser Fall zählt zu den in der Story Die 5 grausamsten Serienmörder aller Zeiten versammelten Verbrechen.

Alexander Pitschuschkin erklärte später, er habe die Opferzahl von Andrei Chikatilo übertreffen wollen.

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