Andrea Matteucci
- Serienmörder — Aosta , Italien
- Aktive Jahre
- 1980–1995
- Modus Operandi
- ErstechenErschießenStumpfe GewaltNekrophilieBrandstiftung
Fünfzehn Jahre lang war der Messerangriff auf Domenico Raso ungeklärt. Erst nach seiner Festnahme 1995 gestand Andrea Matteucci auch diesen ersten Mord und lieferte nach der späteren Gerichtsberichterstattung überprüfbare Einzelheiten. Eine Aufarbeitung des Corriere della Sera bestätigt vier Tötungen und das Urteil von 28 Jahren Haft plus drei Jahren psychiatrischer Unterbringung.
Werdegang
Andrea Matteucci wurde am 24. April 1962 in Turin geboren. Sein Vater, ein vorbestrafter Arbeiter, verließ die Familie früh, seine Mutter finanzierte sich und ihn durch Prostitution. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er bei einer Tante in Foggia, mit fünf Jahren zog er zur Mutter ins Aostatal. Die miterlebten Übergriffe auf seine Mutter und der beobachtete Kastrationsversuch eines Freiers hinterließen bei ihm nach eigenen späteren Aussagen einen tiefen Hass auf Frauen, „die sich für Geld mit Männern abgeben”. Mit 14 Jahren versuchte er, den Fleischerladen zu überfallen, in dem er arbeitete. Später leistete er Militärdienst, arbeitete als Verkäufer und Steinmetz und betrieb schließlich eine eigene Werkstatt in Arvier.
Taten
- Domenico Raso, ein Geschäftsmann, in der Nacht zum 30. April 1980 am Römischen Theater von Aosta mit einem Messer getötet, nachdem dieser ihm sexuelle Annäherungen gemacht hatte. Er rechtfertigte die Tat später mit den Worten, ein Mann könne so etwas nicht tun.
- Daniela Zago, eine Prostituierte aus Turin, 1992 in Brissogne getötet.
- Clara Omoregbee, eine nigerianische Prostituierte, 1994 in Arnad getötet. An ihrer Leiche kam es nach den Ermittlungen zu nekrophilen Handlungen.
- Albana Dakovi, eine albanische Prostituierte, am 12. Mai 1995 ebenfalls in Arnad getötet.
Eine weitere nigerianische Prostituierte, Lucy Omon, überlebte am 10. September 1994 einen Angriff und konnte fliehen. Die Leichen seiner Opfer verbrannte er in Fässern oder Öfen oder versenkte sie in einem Fluss, um jede Erinnerung an sie auszulöschen.
Ermittlung und Festnahme
Ein anonymer Hinweis identifizierte im Juni 1995 einen weißen Iveco-Daily-Lieferwagen, der mit den Taten in Verbindung stand. Die Ermittler kamen so auf die Spur seines Besitzers und nahmen ihn am 26. Juni 1995 fest. Im Verlauf der Vernehmungen gestand er nicht nur den jüngsten Mord an Albana Dakovi, sondern auch die drei vorangegangenen Taten, darunter den 15 Jahre zurückliegenden Mord an Domenico Raso.
Prozess
Die Corte d’Assise von Aosta verurteilte ihn am 16. April 1996 zu 28 Jahren Haft mit anschließend drei weiteren Jahren in einer forensischen Psychiatrie. Gutachter stuften ihn als „seminfermo di mente”, also nur teilweise schuldfähig, ein und attestierten ihm eine Persönlichkeitsstörung, die es ihm unmöglich mache, Empathie zu empfinden. Seine Taten dienten den Gutachtern zufolge einer unbewussten Bestrafung seiner Mutter.
Nachwirkungen
Am 11. März 2017 wurde Andrea Matteucci aus dem Gerichtspsychiatrischen Krankenhaus von Reggio Emilia entlassen. Anschließend kehrte er kurzzeitig ins Aostatal zurück, bevor er in eine spezialisierte psychiatrische Einrichtung in der Lombardei verlegt wurde, wo er seither unter fortlaufender therapeutischer Betreuung lebt, ohne noch in Haft zu sein. Der Fall bleibt im Aostatal, wo es zuvor kaum vergleichbare Gewaltverbrechen gegeben hatte, bis heute einer der prägendsten der jüngeren Kriminalgeschichte der Region.