← Zum Verzeichnis

Anatoli Onoprienko

genannt „Bestie der Ukraine"

Bahnhof von Schytomyr, einer der von ihm heimgesuchten ukrainischen Regionen
Visem, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
52
Opfer
„Bestie der Ukraine"
verstorben
SerienmörderSchytomyr , Ukraine
Aktive Jahre
1989–1996

Zwölf Stunden dauerte allein die Verlesung des Urteils: Das Gericht in Schytomyr sprach Anatoli Onoprienko am 1. April 1999 wegen 52 Morden schuldig, darunter die Tötung von zehn Kindern. Der zeitgenössische Bericht von Kommersant bestätigt den Umfang des Urteils. Zwischen 1989 und 1996 hatte er häufig ganze Familien in abgelegenen Häusern getötet.

Werdegang

Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war, sein Vater gab ihn daraufhin in ein Waisenhaus im Dorf Prywitne, während sein älterer Bruder bei ihm zu Hause bleiben durfte. Diese Zurücksetzung prägte ihn nach Einschätzung späterer Gutachter nachhaltig. Er arbeitete zeitweise als Seemann.

Taten

Er wählte gezielt abgelegene Häuser aus, verschaffte sich gewaltsam Zutritt und tötete zunächst den erwachsenen Mann des Haushalts, danach die Ehefrau und zuletzt die Kinder, mit Schrotflinten, Messern, Spaten, Hämmern und Hanteln. Anschließend raubte er Schmuck, Geld und Wertgegenstände und zündete die Häuser an, um Spuren zu vernichten. Zwischen den Taten reiste er mit dem Zug durch mehrere Gebiete der Ukraine, was die Ermittlungen jahrelang erschwerte.

Festnahme

Erst im April 1996 wurde er nach einem Großeinsatz von rund 2.000 Polizisten und über 3.000 Soldaten in der Nähe von Lwiw, nahe der polnischen Grenze, aufgrund eines anonymen Hinweises aus der Nachbarschaft festgenommen.

Prozess

Psychiatrische Gutachten stuften ihn als voll schuldfähig ein. Im April 1999 wurde er wegen 52-fachen Mordes zum Tode verurteilt. Weil die Ukraine als Mitglied des Europarats die Todesstrafe 1995 abgeschafft hatte, obwohl Staatspräsident Leonid Kutschma für eine Ausnahme plädierte, wurde das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt.

Nachwirkungen

Der Fall gilt international als eines der extremsten Beispiele organisierter Mehrfachmorde und wird in der Kriminalpsychologie häufig als Studienobjekt für die seltene Kombination aus methodischem Vorgehen und extrem hoher Opferzahl herangezogen.