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Alun Kyte

genannt „Der Midlands Ripper"

Straße im Stadtteil Balsall Heath in Birmingham, wo Alun Kyte sein erstes bekanntes Opfer aufgriff
Chris Whippet, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
2
Opfer
„Der Midlands Ripper"
inhaftiert
SerienmörderBirmingham , Großbritannien
Aktive Jahre
1993–1994
Modus Operandi
ErwürgenVergewaltigung

Ein Lokalsender strahlt die filmische Rekonstruktion eines ungelösten Mordes aus, in der Hoffnung, dass sich ein Zeuge meldet. Stattdessen sieht sich offenbar der Täter selbst die Sendung an und tötet nur wenige Tage später erneut, fast auf den gleichen Straßen. Erst Jahre später, durch einen Routine-DNA-Abgleich nach einer ganz anderen Tat, gelang es der Polizei, Alun Kyte zwei Morde an Prostituierten nachzuweisen. Ermittler vermuten bis heute, dass es tatsächlich weitaus mehr gewesen sein könnten.

Werdegang

Alun Kyte wurde am 7. Juli 1964 im englischen Tittensor bei Stoke-on-Trent geboren, wuchs kränklich mit schwerem Asthma auf und lebte später in Stafford. Er arbeitete als Lkw-Fahrer und legte dabei regelmäßig hunderte Kilometer quer durch England zurück, was ihm half, unbemerkt über die Zuständigkeitsgrenzen verschiedener Polizeibehörden hinweg zu agieren. Kollegen beschrieben ihn als Einzelgänger mit einem ausgeprägten Hass auf Frauen und einer auffälligen Fixierung auf Prostituierte. Im Januar 1991 wurde er wegen Spielsucht-bedingter Diebstähle vom Konto seines eigenen Vaters sowie wegen Betrugs zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, in den folgenden Jahren kamen weitere Diebstähle hinzu. Im März 1994 griff er zudem eine schwangere Prostituierte in Birmingham mit einem Cuttermesser an und forderte Geld und Kleidung, sie konnte fliehen, nachdem sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte.

Die Taten

Ende 1993 griff er die 20-jährige Samo Paull im Rotlichtviertel von Balsall Heath in Birmingham auf. Sie galt seit dem 4. Dezember 1993 als vermisst, bis man sie am 31. Dezember tot in einem wassergefüllten Graben bei Swinford in Leicestershire fand, rund 60 Kilometer von ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort entfernt, nahe der Autobahn M1. Ihre Kleidung und persönlichen Gegenstände fehlten.

Am 2. März 1994 strahlte ein regionaler Fernsehsender eine Nachstellung von Samo Paulls Ermordung aus. Kurz danach, in der Nacht zum 3. März, entführte er die 30-jährige Tracey Turner, die fast gehörlos war, von den Hilton Park Services an der Autobahn M6. Er vergewaltigte und erwürgte sie, ihre Leiche wurde am folgenden Tag bei Bitteswell nahe Lutterworth gefunden, nur wenige Kilometer von der Fundstelle des ersten Opfers entfernt. Zwei Tage nach der Tat erschien er sogar noch einmal an der Raststätte und gab sich gegenüber Angestellten als Zeitungsreporter aus, der zum Thema Prostitution recherchiere.

Ermittlung: Operation Enigma

Weil in den folgenden Monaten mehrere weitere Prostituierte in unterschiedlichen Polizeibezirken ermordet aufgefunden wurden, forderte die Polizei von Leicestershire eine behördenübergreifende Ermittlung an. 1996 startete daraufhin die “Operation Enigma”, die mehr als 200 ungeklärte Morde und Verschwindenfälle von Frauen seit 1986 landesweit neu auswertete und dabei auch kanadische Analysemethoden zur Fallverknüpfung einsetzte. Die Ermittler vermuteten, dass hinter mehreren der untersuchten Fälle sogar bis zu vier verschiedene Serientäter stecken könnten.

Der entscheidende Fund kam erst im Dezember 1997, als er wegen einer bewaffneten Vergewaltigung in Weston-super-Mare festgenommen wurde. Seine DNA-Probe, routinemäßig zur nationalen Datenbank hinzugefügt, ergab im März 1998 einen Treffer mit Spuren vom Tatort des Mordes an Tracey Turner. Bei der anschließenden Vernehmung stritt er zunächst ab, je Prostituierte aufgesucht oder sich als Reporter ausgegeben zu haben, wurde damit aber durch Überwachungsaufnahmen widerlegt. Erst dann räumte er ein, den zur Tatzeit gesuchten braunen Ford Sierra besessen zu haben.

Prozess

Der Prozess vor dem Nottingham Crown Court begann am 28. Februar 2000. Forensiker bezifferten die Wahrscheinlichkeit, dass die DNA-Spuren bei Tracey Turner von einer anderen Person als Alun Kyte stammten, auf eins zu 33 Milliarden. Mehrere Mitgefangene sagten aus, er habe im Gefängnis mit den Taten geprahlt und behauptet, er habe sein zweites Opfer getötet, weil sie ihn während des Sex ausgelacht habe. Vor Gericht änderte er seine Verteidigungslinie mehrfach und erklärte am Ende, er habe schlicht regelmäßig Prostituierte aufgesucht und mit ihr einvernehmlichen Sex gehabt, an den er sich nicht mehr genau erinnere. Die Geschworenen befanden ihn 2000 einstimmig in beiden Fällen für schuldig, das Gericht verhängte am 14. März 2000 lebenslange Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 25 Jahren.

Nachwirkungen

Nach der Verurteilung äußerten Ermittler den Verdacht, er könne für weitere ungeklärte Morde an Prostituierten in den 1980er und 1990er Jahren verantwortlich sein, Mitgefangene zufolge soll er sich sogar insgesamt zwölf Opfer zugeschrieben haben. Bewiesen werden konnte das nie, in mindestens einem Fall schloss eine spätere DNA-Untersuchung ihn sogar ausdrücklich aus. Eine Berufung gegen die Höhe seiner Mindeststrafe scheiterte 2013. Im Februar 2023 wurde er zusätzlich wegen des sexuellen Missbrauchs eines neunjährigen Jungen in den späten 1980er Jahren schuldig gesprochen und erhielt eine dritte lebenslange Freiheitsstrafe mit einer weiteren Mindestverbüßungsdauer von über zehn Jahren. Alun Kyte sitzt weiterhin im Gefängnis HM Prison Onley ein und hat bis heute nur die Tat an Tracey Turner eingeräumt.