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Alexi Polevoi

Rathaus von Louveciennes, dem Pariser Vorort, in dem Alexi Polevoi 1995 seine Familie tötete
Henry Salomé, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
6
Opfer
frei
MassenmörderLouveciennes , Frankreich
Aktive Jahre
1995
Modus Operandi
Erschießen

Alexi Polevoi, geboren am 1. April 1978, erschoss in der Nacht zum 27. Februar 1995 im Pariser Vorort Louveciennes sechs Mitglieder seiner Familie und ihres Bekanntenkreises mit Schusswaffen aus der Sammlung seines Vaters. Er war zum Tatzeitpunkt erst 16 Jahre alt. Nach einem Prozess vor dem Jugendgerichtshof Versailles wurde er 1998 zu acht Jahren Haft verurteilt, im Juli 2000 kam er bereits wieder frei.

Werdegang

Alexi wuchs als Sohn des wohlhabenden russischen Holzhändlers Jewgeni auf, der sein Vermögen im Handel mit Russland gemacht hatte und mit seiner Familie in einem Haus im Chemin des Gressets in Louveciennes lebte, einem Vorort westlich von Paris. Nach der Scheidung seiner Eltern heiratete Jewgeni erneut, aus dieser zweiten Ehe stammte Alexis kleine Halbschwester. Laut späteren Aussagen der Staatsanwaltschaft war das Verhältnis zwischen Vater und Sohn von Gewalt geprägt, Jewgeni soll Alexi wiederholt geschlagen und gedemütigt haben.

Die Tat

Am Abend des 26. Februar 1995 nutzte Alexi gegen 22:30 Uhr drei Schusswaffen aus der Sammlung seines Vaters, um im gemeinsamen Wohnhaus systematisch sechs Menschen zu töten: zunächst Jewgeni selbst, dann dessen zweite Ehefrau, anschließend ein befreundetes russisches Ehepaar, das an diesem Abend zu Besuch war, und schließlich im Obergeschoss die Eltern der Stiefmutter, die sich dorthin geflüchtet hatten. Insgesamt fielen 15 Schüsse, von denen nur eine einzige Patrone das Ziel verfehlte. Allein die dreijährige Halbschwester überlebte unversehrt. Nach der Tat entwendete Alexi Bargeld und eine Kreditkarte, fuhr in eine Pariser Bar und kehrte anschließend zurück, um am Tatort einen Einbruch vorzutäuschen.

Ermittlung und Festnahme

Die Polizei nahm Alexi noch am selben Tag fest. Ermittler fanden am Tatort einen abgerissenen Armbanduhrverschluss, dazu Fingerabdrücke an den Tatwaffen und Schmauchspuren an seinen Händen, die die inszenierte Einbruchsversion rasch widerlegten. Alexi legte zunächst ein Geständnis ab, widerrief es später jedoch und behauptete, ein unbekannter russischer Mann habe ihn unter Druck gesetzt und zur Tat gezwungen. Diese Version konnte er vor Gericht nicht belegen.

Prozess

Der Prozess fand vom 4. bis zum 14. März 1998 vor dem Jugendgerichtshof im Département Yvelines in Versailles statt, fast drei Jahre nach der Tat. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von 18 bis 20 Jahren, das Gericht verurteilte Alexi jedoch zu lediglich acht Jahren Gefängnis, unter Berücksichtigung seines Alters zur Tatzeit und der geschilderten Gewalt in der Familie.

Nachwirkungen

Alexi Polevoi wurde am 8. Juli 2000 nach etwa fünf Jahren Haft, einschließlich Untersuchungshaft, bedingt entlassen. Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt, 2022 tauchte sein Name im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit um einen Immobilienbetrug in Saint-Tropez auf, wo er inzwischen als Makler tätig war und dabei gegen einen russischen Geschäftsmann verlor. Die „Tuerie de Louveciennes” gilt in Frankreich bis heute als einer der aufsehenerregendsten Fälle von familiärer Gewalt der 1990er Jahre, nicht zuletzt weil ein Jugendlicher binnen weniger Minuten fast die gesamte eigene Familie auslöschte.