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Alexander Keith Jr.

genannt „Dynamite Fiend"

Alexander Keith Jr., zeitgenössisches Porträt unter seinem Decknamen William King Thomas
Wikimedia Commons, gemeinfrei · Public Domain
83
Opfer
„Dynamite Fiend"
Suizid
MassenmörderBremerhaven , Deutschland
Aktive Jahre
1875
Modus Operandi
Sprengstoffanschlag

Alexander Keith Jr. wurde 1827 im schottischen Caithness geboren und starb am 16. Dezember 1875 in Bremerhaven. Unter dem Decknamen William King Thomas verübte er im Hafen von Bremerhaven einen Versicherungsbetrug mit einer Zeitbombe, die vorzeitig explodierte und 83 Menschen das Leben kostete, eine der folgenreichsten Katastrophen der deutschen Schifffahrtsgeschichte im 19. Jahrhundert.

Werdegang

Als Kind wanderte er mit seiner Familie ins kanadische Halifax aus, wo er zunächst in der Brauerei seines Onkels arbeitete. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs schlug er sich als Blockadeläufer und Kurier für die Konföderierten durch und häufte dabei erhebliche Spielschulden an. Nach dem Krieg floh er über St. Louis, wo er Cecelia Paris heiratete, schließlich nach Deutschland und lebte dort unter falscher Identität als angeblicher jamaikanischer Minenbesitzer.

Die Tat

Um seine wachsenden Schulden zu tilgen, plante er einen Versicherungsbetrug: Ein Fass mit rund 13 Tonnen Dynamit, getarnt als Kaviarlieferung, sollte an Bord des Auswandererschiffs Mosel der Norddeutschen Lloyd-Reederei gebracht werden und erst mitten auf dem Atlantik detonieren, während er selbst die Versicherungssumme kassiert hätte. Den Zeitzünder ließ er sich vom Uhrmacher Johann Ignaz Fuchs in Bernburg anfertigen, den Sprengstoff bezog er unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus einer Kölner Dynamitfabrik. Am 11. Dezember 1875 explodierte das Fass jedoch vorzeitig noch am Kai im Hafen von Bremerhaven, als es dort abgesetzt wurde. Ein Augenzeuge beschrieb eine pilzförmige Rauchsäule von fast 200 Metern Höhe über dem Hafenbecken. Die Explosion tötete 83 Menschen, darunter sechs an Bord der Mosel, und verletzte rund 200 weitere. Allein durch dieses eine Unglück verloren 56 Frauen ihre Ehemänner und 135 Kinder ihre Väter.

Tod

Unmittelbar nach der Explosion schoss er sich in seiner Kabine zweimal in den Kopf. Er überlebte die Schussverletzungen zunächst und gestand der Polizei noch am 16. Dezember 1875 seine Tat, bevor er noch am selben Tag im Krankenhaus starb. Zu einem Gerichtsprozess kam es damit nie.

Nachwirkungen

Am 14. Dezember 1875, noch vor seinem Tod, wurden 41 der Opfer auf dem Friedhof in Bremerhaven-Wulsdorf beigesetzt, wo bis heute ein Denkmal an die sogenannte Thomas-Katastrophe erinnert. Spendenaktionen für die Hinterbliebenen brachten damals rund 450.000 Mark zusammen. Alexander Keith Jr. gilt bis heute als einer der frühesten dokumentierten Fälle von Massentötung durch Sprengstoff zum Zweck des Versicherungsbetrugs. Die Amerikanistik-Professorin Ann Larabee rekonstruierte den Fall 2005 anhand von Pinkerton-Ermittlungsakten in ihrem Buch „The Dynamite Fiend” (Affiliate-Link).

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