Albert Goozee
- Aktive Jahre
- 1956
- Modus Operandi
- ErstechenStumpfe GewaltVergewaltigung
Ein Picknick im Wald, ein verstecktes Messer und eine Affäre, die aufgeflogen war: Was am 17. Juni 1956 im New Forest begann, endete mit zwei Toten und einem Todesurteil, das vier Tage vor der geplanten Hinrichtung in letzter Minute aufgehoben wurde.
Werdegang
Albert William Goozee wurde am 8. September 1923 in London geboren und arbeitete als Handelsmatrose, bevor er sich im Januar 1955 als Mieter bei der Familie Leakey in Parkstone, Dorset, einquartierte. Binnen weniger Wochen begann er eine Affäre mit seiner Vermieterin Lydia „Greta” Leakey. Als deren Ehemann die Beziehung entdeckte und im Juni 1956 verlangte, er solle die Wohnung verlassen, zog Albert Goozee zunächst aus.
Die Tat
Am 17. Juni 1956 lud er Lydia Leakey und ihre 14-jährige Tochter Norma zu einem Picknick nach Bignell Wood bei Cadnam im New Forest ein. Dort tötete er beide mit einem Fairbairn-Sykes-Kampfmesser mit sieben Zoll langer Klinge. Lydia starb an einem Schädelbruch und mehreren Stichwunden, Norma an einem einzigen Stich, der ihr Herz durchbohrte. Die Obduktion ergab zudem, dass das Mädchen sexuell missbraucht worden war. Er fügte sich selbst eine Stichwunde zu, bevor Passanten ihn blutend am Straßenrand fanden. Das Messer wurde noch am selben Tag in seinem Auto entdeckt, seine Festnahme erfolgte umgehend.
Prozess und Todesurteil
Die Anklage konzentrierte sich zunächst auf den Mord an Norma, während der Fall ihrer Mutter zurückgestellt wurde. Vor Gericht in Winchester wurde er am 6. Dezember 1956 für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt. Eine Berufung scheiterte am 14. Januar 1957. Nur elf Tage vor der geplanten Hinrichtung empfahl Innenminister Rab Butler am 25. Januar 1957 überraschend eine Begnadigung, mit der Begründung, Albert Goozee sei „über jedes vernünftige Maß hinaus provoziert” worden. Die Strafe wurde in lebenslange Haft in der psychiatrischen Anstalt Broadmoor umgewandelt.
Wiederholungstaten nach der Entlassung
1971 wurde er im Alter von 48 Jahren aus Broadmoor entlassen, es sollte nicht sein letzter Kontakt mit der Justiz bleiben. 1973 saß er wegen Diebstahls ein, 1977 verlor er seine Arbeitsstelle, nachdem Kollegen seine wahre Identität entdeckt hatten, kurz darauf wurde er wegen des Besitzes einer Waffe und der Bedrohung eines Polizisten erneut verurteilt. 1982 stach er in Tamworth einen Nachbarn nieder und wurde zurück in den lebenslangen Vollzug überstellt. 1993, mittlerweile 70 Jahre alt, kam er ein zweites Mal frei und zog nach Chatham in Kent. An Heiligabend 1995 lockte er zwei zwölf und dreizehn Jahre alte Mädchen mit Alkohol in seine Wohnung und missbrauchte sie, die Kinder wandten sich an eine Hilfetelefonstelle. 1996 verurteilte ihn ein Gericht in Maidstone deswegen zu sechs Jahren Haft.
Nachwirkungen
Albert Goozee starb am 25. November 2009 in einem Pflegeheim in Wigston bei Leicester an natürlichen Ursachen, nachdem er wegen seiner tödlichen Erkrankung aus der Haft entlassen worden war. Der Fall inspirierte 1996 den britischen Spielfilm „Intimate Relations”, der die Ereignisse rund um die Affäre und die Morde von 1956 nachzeichnet.