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Albert Edward Burrows

Der Old Cross im historischen Ortskern von Old Glossop, wo Albert Edward Burrows lebte
Benjamin Hopkins, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
4
Opfer
hingerichtet
SerienmörderGlossop , Großbritannien
Aktive Jahre
1920–1923

Drei Jahre lang erzählte Albert Edward Burrows jedem, der fragte, seine Lebensgefährtin sei mit den gemeinsamen Kindern einfach zu Verwandten gezogen. Er fälschte sogar Briefe in ihrem Namen und Fotos fremder Kinder, um die Lüge am Leben zu halten. In Wahrheit hatte er alle drei bereits im Januar 1920 in einen stillgelegten Grubenschacht auf dem Symmondley Moor bei Glossop geworfen. Erst als er 1923 ein weiteres Kind tötete, führte die Ermittlung zu den Leichen und zu seiner Hinrichtung.

Werdegang

Geboren wurde er 1871 in Cheadle Hulme als Sohn einfacher Verhältnisse und arbeitete sein Leben lang als Gelegenheitsarbeiter auf Farmen und Eisenbahnbaustellen, ohne lange an einer Stelle zu bleiben. Bis 1914 lebte er mit seiner Ehefrau Clementine und der gemeinsamen Tochter in Glossop. Sein Vorstrafenregister umfasste vierzehn Anklagepunkte, darunter Pferdediebstahl, Betrug, Körperverletzung, Tierquälerei, Bigamie und Sexualstraftaten gegen Kinder und Erwachsene. Nachbarn beschrieben ihn als großen, kräftigen Mann mit auffälligem Schnurrbart, der nach außen respektabel wirkte, tatsächlich aber einzelgängerisch und grüblerisch war und lieber die Gesellschaft von Kindern suchte als die von Erwachsenen.

Die bigamistische Beziehung

1917 lernte er die 27-jährige Hannah in einer Munitionsfabrik in Northwich kennen und gab sich fälschlich als Witwer aus. Am 27. Mai 1918 heirateten sie, obwohl seine erste Ehe nie geschieden worden war. Hannah brachte eine Tochter aus einer früheren Beziehung mit, die etwa dreijährige Elsie, in manchen Gerichtsunterlagen unter dem Namen ihrer Mutter als Elsie Calladine geführt. Im Oktober 1918 kam der gemeinsame Sohn zur Welt, ebenfalls Albert Edward genannt.

Als Hannah die Doppelehe entdeckte, informierte sie seine erste Frau. Es folgte eine Verurteilung wegen Bigamie und eine Haftstrafe im Gefängnis Walton bei Liverpool von Februar bis Juli 1919. Nach der Entlassung erwirkte Hannah eine gerichtliche Unterhaltsverfügung über sieben Schilling wöchentlich, die er nicht bezahlte, was ihm im November 1919 eine weitere, dreiwöchige Haftstrafe einbrachte.

Die ersten drei Morde

Am 17. Dezember 1919 verließ Hannah das Haus ihrer Eltern im Cheshire-Ort Wrenbury und erreichte am 19. Dezember mit den Kindern das Haus in Glossop. Seine erste Frau ließ die drei widerwillig für eine Nacht bleiben, doch er erzählte ihr später, die Familie sei bereits wieder abgereist. Tatsächlich tötete er am Abend des 11. Januar 1920 Hannah, die kleine Elsie und den erst vierzehn Monate alten Sohn und warf alle drei Leichen in einen rund 32 Meter tiefen Luftschacht der stillgelegten Grube.

Der vierte Mord und die Entdeckung

Über drei Jahre lang hielt er die Lüge vom Verschwinden der Familie mit gefälschten Briefen und Fotos aufrecht. Am 4. März 1923 tötete er dann den vierjährigen Nachbarsjungen Thomas „Tommy” Wood, nachdem er ihn zuvor sexuell missbraucht hatte, und warf auch dessen Leiche in einen Schacht derselben Grube.

Die Polizei fand die Peitsche des vermissten Jungen, mit einem Stein beschwert, in einem Fluss bei Bridgefield, dazu Stiefelabdrücke, die zu einer Wathose passten, die er sich kurz zuvor geliehen hatte. Als ihn Ermittler am 12. März 1923 damit konfrontierten, änderte er seine Aussage mehrfach. Am folgenden Tag wurde Tommys Leiche geborgen, woraufhin er über das Moor floh und nach einer rund zwei Kilometer langen Verfolgungsjagd in einem Stechpalmenbusch aufgespürt wurde.

Auf der Polizeiwache stellte der ermittelnde Inspektor beiläufig die Frage, wie es Hannah eigentlich gehe und was aus ihr geworden sei. Die panische Reaktion darauf brachte die jahrelange Täuschung ins Wanken. In einer achtwöchigen Untersuchung wurden schließlich sämtliche gefälschten Briefe und Fotos nachgewiesen.

Die Ausgrabung des Schachts

Zwischen dem 7. Mai und dem 7. Juni 1923 ließ die Polizei den Schacht in einer 31 Tage dauernden, technisch aufwendigen Aktion mit Dampfpumpen, Seilwinden und geliehenem Steinbruchgerät auspumpen. Ein Schädel wurde anhand einer auffälligen Zahnfehlstellung als Hannahs Überrest identifiziert, das Teilskelett eines etwa dreijährigen Mädchens sowie Säuglingsknochen mit den Resten eines charakteristischen roten Gummi-Bruchbands vervollständigten den grausigen Fund.

Prozess und Hinrichtung

Der Prozess am 4. Juli 1923 vor den Derbyshire Assizes dauerte kaum zwei Tage. Die Anklage stützte sich auf zwei Mordfälle, während zwei weitere formell unangeklagt blieben. Die Verteidigung argumentierte, Hannah habe sich selbst und ihren Sohn durch einen Sprung in den Schacht das Leben genommen, ein wenig glaubwürdiges Szenario, zumal sie die kleine Elsie dabei zurückgelassen hätte. Die Geschworenen benötigten nur dreizehn Minuten für ihr Schuldurteil.

Vor seiner Festnahme hatte er seinen Verfolgern noch zugerufen, wären seine Hände frei, könnte ihm keiner unter ihnen ins Gesicht sehen, und er werde auf dem Schafott nicht zittern. Am 8. August 1923 wurde er im Bagthorpe-Gefängnis in Nottingham gehängt, bis zuletzt beteuerte er seine Unschuld.

Nachwirkungen

Der als „Symmondley-Schacht-Fall” bekannt gewordene Prozess gehört bis heute zu den aufwendigsten Leichenfunden der britischen Kriminalgeschichte und zeigt, wie lange sich ein systematischer Betrug gegenüber Behörden und Angehörigen aufrechterhalten ließ, solange niemand gezielt nach den Opfern suchte.