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Albert Bruneau

genannt „L'abbé Bruneau"

Historisches Porträtfoto von Albert Bruneau
Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
1
Opfer
„L'abbé Bruneau"
hingerichtet
TotschlägerEntrammes , Frankreich
Aktive Jahre
1894
Modus Operandi
Stumpfe GewaltErtränken

Albert Joseph Pierre Bruneau wurde 1861 in Assé-le-Bérenger in der Mayenne geboren. Als katholischer Vikar in Entrammes wurde er 1894 für die Ermordung seines Pfarrers Père Fricot zum Tode verurteilt und öffentlich durch die Guillotine hingerichtet. Eine Überprüfung des Falls rund ein Jahrhundert später stufte die Beweislage als so dünn ein, dass an seiner Schuld erhebliche Zweifel bestehen.

Werdegang

Bruneau stammte aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen und durchlief ein Priesterseminar, bevor er als Vikar in verschiedenen Gemeinden der Mayenne tätig war, zuletzt in Entrammes, wenige Kilometer von Laval entfernt. Er führte dort einen aufwendigen Lebensstil, der über sein Einkommen als Vikar hinausging, und geriet dadurch in finanzielle Schwierigkeiten.

Bereits im Februar 1893 wurde er der Ermordung der Laveler Blumenverkäuferin Marie Bourdais verdächtigt, die erstochen und beraubt aufgefunden worden war. Für diese Tat wurde er zwar angeklagt, aber nicht verurteilt.

Die Tat

Am 2. Januar 1894 verschwand sein Vorgesetzter, der Pfarrer Père Fricot, aus dem Pfarrhaus von Entrammes. Am folgenden Tag wurde die Leiche im Brunnen des Pfarrhauses gefunden, sie war mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen und anschließend im Brunnenschacht ertränkt worden.

Festnahme und Prozess

Bruneau wurde bereits am 3. Januar 1894, einen Tag nach dem Verschwinden seines Vorgesetzten, festgenommen. Der Prozess vor dem Schwurgericht der Mayenne unter Richter Francis Girón fand am 9. Juli 1894 statt und zog wegen der Beteiligung eines Geistlichen große mediale Aufmerksamkeit auf sich, zeitgenössische Zeitungen veröffentlichten detaillierte Zeichnungen von Prozess und Hinrichtung. Er bestritt die Tat durchgehend, wurde aber für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

Hinrichtung

Am 30. August 1894 wurde Albert Bruneau in Laval öffentlich durch die Guillotine hingerichtet. Rund 16.000 Schaulustige verfolgten die Exekution.

Nachwirkungen

Eine 1994 durchgeführte Überprüfung des einhundert Jahre zurückliegenden Falls kam zu dem Ergebnis, dass die damalige Beweisführung erhebliche Lücken aufwies und eine Verurteilung nach heutigen Maßstäben kaum haltbar gewesen wäre. Der Fall gilt seither in Frankreich als eines der bekannteren Beispiele für einen möglichen Justizirrtum im 19. Jahrhundert.