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Alan Wade Wilmer

genannt „Colonial-Parkway-Mörder"

Der Colonial Parkway in Virginia, entlang dessen die Leichen mehrerer Opfer gefunden wurden
Cliff Dickey, National Park Service, via Wikimedia Commons · Public Domain (US-Regierungswerk)
6
Opfer
„Colonial-Parkway-Mörder"
verstorben
SerienmörderWilliamsburg , USA
Aktive Jahre
1986–1989

Zwischen Oktober 1986 und Oktober 1989 wurden entlang des Colonial Parkway in Virginia, einer Panoramastraße zwischen Williamsburg, Jamestown und Yorktown, mehrere junge Paare ermordet oder spurlos verschwunden aufgefunden. Der als „Colonial Parkway Murders” bekannt gewordene Fall galt fast vier Jahrzehnte lang als ungeklärt. Erst im Januar 2024 gaben die Virginia State Police und das FBI bekannt, mithilfe genetischer Genealogie den Fischer Alan Wade Wilmer als Täter identifiziert zu haben, der bereits 2017 im Alter von 63 Jahren gestorben war, ohne je als Verdächtiger aufgefallen zu sein.

Werdegang

Alan Wade Wilmer wurde 1954 geboren und lebte den Großteil seines Lebens in der ländlichen Northern-Neck-Region Virginias. Er arbeitete als Krabben- und Austernfischer mit einem eigenen Kutter namens „Denni Wade”, betrieb daneben einen kleinen Baumfällbetrieb und war den Behörden vor seinem Tod nicht durch Gewaltdelikte aufgefallen. Nachbarn und Bekannte beschrieben ihn später als unauffällig, ein Muster, das sich bei spät aufgeklärten Altfällen dieser Art immer wieder zeigt.

Die Taten

Am 9. Oktober 1986 verschwanden die 21-jährige Rebecca Dowski und die 27-jährige Cathy Thomas, ihre Leichen wurden drei Tage später in Thomas’ Fahrzeug am Parkway gefunden. Am 19. September 1987 wurden der 20-jährige David Knobling und die 14-jährige Robin Edwards erschossen am James River entdeckt. Am 8. April 1988 verschwanden Cassandra Hailey und Keith Call spurlos, ihre Leichen wurden nie gefunden, lediglich ihr Fahrzeug tauchte wieder auf. Am 1. Juli 1989 wurde die 29-jährige Teresa Howell tot in einem Waldstück nahe Hampton gefunden, am 5. September desselben Jahres die 18-jährige Annamaria Phelps und der 21-jährige Daniel Lauer. Zwei weitere Fälle aus dieser Zeit, der Mord an Brian Pettinger im Dezember 1987 und an Laurie Ann Powell im März 1988, wurden von Ermittlern ebenfalls der Serie zugerechnet.

Ermittlung und die Aufklärung 2024

Die Ermittlungen der 1980er und 1990er Jahre verliefen trotz eines eigens eingerichteten Sonderdezernats ergebnislos. Er selbst bestand 1988 sogar einen FBI-Lügendetektortest als vermeintlicher Zeuge, seine DNA wurde damals nicht in nationale Datenbanken aufgenommen. Erst als sein Erbgut nach seinem Tod 2017 routinemäßig erfasst und Jahre später mit genetischer Genealogie ausgewertet wurde, ergab ein 2023 erstelltes Gutachten des Virginia Department of Forensic Science eine zweifelsfreie Übereinstimmung mit Spurenmaterial von mehreren Tatorten. Die Behörden bestätigten Alan Wade Wilmer daraufhin offiziell als Täter der Morde an Dowski, Thomas, Knobling, Edwards, Howell und Powell, insgesamt sechs Menschen. Die Fälle Pettinger sowie Phelps und Lauer gelten weiterhin als nicht zweifelsfrei zugeordnet, ebenso das Verschwinden von Hailey und Call, das die Ermittler zwar für wahrscheinlich mit ihm in Verbindung stehend halten, ohne dass hierfür bislang forensische Beweise vorliegen.

Warum die Aufklärung erst nach seinem Tod gelang

Kritiker der damaligen Ermittlungen verweisen darauf, dass ein bestandener Polygraphentest in den 1980er Jahren fälschlich als Entlastung gewertet wurde und die Nichtaufnahme von Wilmers DNA in die zentrale Datenbank CODIS die Aufklärung um Jahrzehnte verzögerte. Erst die technische Entwicklung der genetischen Genealogie, die familiäre DNA-Verwandtschaften über öffentlich zugängliche Ahnenforschungsdatenbanken nachweisen kann, ermöglichte den entscheidenden Durchbruch.

Nachwirkungen

Der Fall gilt heute als Lehrbeispiel dafür, wie moderne forensische Methoden selbst jahrzehntealte Fälle klären können, wirft zugleich aber die Frage auf, wie viele mutmaßliche Serientäter unentdeckt sterben, weil ihre DNA nie systematisch erfasst wurde. Angehörige der Opfer und Ermittler forderten nach der Bekanntgabe 2024 eine verpflichtende postmortale DNA-Erfassung bei Todesfällen unter ungeklärten Umständen, um vergleichbare Fälle künftig schneller aufzuklären. Bereits 2017, sieben Jahre vor Wilmers Überführung, hatten Blaine L. Pardoe und Victoria R. Hester den damals noch ungelösten Fall in ihrem Buch „A Special Kind of Evil: The Colonial Parkway Serial Killings” (Affiliate-Link) aufgearbeitet. Zur Bekanntgabe selbst siehe die Schlagzeile Nach fast 40 Jahren: Ermittler identifizieren Täter der Colonial-Parkway-Morde.

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