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Alain Lamare

Blick auf die Stadt Pont-Sainte-Maxence von der Oise aus, einer der Tatort-Gemeinden Alain Lamares
P.poschadel, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
1
Opfer
inhaftiert
Mörder — Pont-Sainte-Maxence , Frankreich
Aktive Jahre
1978–1979

Alain Lamare, geboren am 10. Juli 1956 in Fruges im Département Pas-de-Calais, war als 22-jähriger Gendarm bei der Eingreiftruppe PSIG in Chantilly tätig, als er zwischen Mai 1978 und April 1979 im Département Oise eine Reihe von Schüssen und Fahrzeugsprengfallen gegen junge Frauen verübte. Eine der Taten endete tödlich, mehrere weitere Frauen überlebten teils schwer verletzt. Besondere Aufmerksamkeit erregte der Fall, weil der Täter zeitweise selbst an den Ermittlungen gegen den unbekannten „Oise-Killer” beteiligt war.

Werdegang

Alain Lamare stand als junger Polizist der Gendarmerie in Chantilly zum Tatzeitraum unter Druck, unter anderem nachdem er Anfang 1978 dienstlich mit einer Disziplinarstrafe belegt worden war. Presseberichten zufolge könnte diese Episode als Auslöser für eine Wut auf die eigene Institution gedient haben, gesichert ist das jedoch nicht.

Die Taten

Zwischen Mai 1978 und April 1979 stahl Alain Lamare wiederholt Fahrzeuge mit steckendem Zündschlüssel in den Gemeinden Chantilly, Pont-Sainte-Maxence, Creil und Senarpont, beging mehrere Banküberfälle und griff mindestens sechsmal junge Frauen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren an, teils mit einer Beretta 9mm, teils mit in Fahrzeugen versteckten Sprengfallen. Vor einer der Taten verschickte er einen Drohbrief mit dem Satz „la prochaine fois je viserai le cœur” (das nächste Mal ziele ich aufs Herz). Am 1. Dezember 1978 tötete er die neunzehnjährige Yolande Raszewski.

Ermittlung und Festnahme

Ungewöhnlich am Fall war, dass Alain Lamare als Angehöriger der Gendarmerie selbst an den Ermittlungen gegen den gesuchten Täter beteiligt war und dabei wiederholt zu den Ersten am Tatort gehörte. Anfang April 1979 identifizierten Ermittler ihn schließlich über einen Schriftvergleich des Drohbriefs sowie über Fingerabdrücke, festgenommen wurde er in der Gendarmerie-Kaserne.

Kein Prozess

Ein psychiatrisches Gutachten diagnostizierte bei Alain Lamare Hebephrenie, eine Form der Schizophrenie, und erklärte ihn für strafrechtlich nicht verantwortlich. Ein regulärer Strafprozess fand deshalb nie statt. Das Verfahren gegen ihn wurde am 14. Januar 1983 per gerichtlicher Einstellungsverfügung beendet, eine Entscheidung, die im Juni desselben Jahres in der Berufung bestätigt wurde.

Nachwirkungen

Alain Lamare wurde nach der Verfahrenseinstellung dauerhaft in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht, wo er sich nach unterschiedlichen Presseberichten in den 2000er und frühen 2010er Jahren weiterhin befand. Der Fall gilt in Frankreich bis heute als eine der ungewöhnlichsten Kriminalgeschichten des Landes, nicht zuletzt wegen der Doppelrolle des Täters als Ermittler in eigener Sache.