Adolf Seefeld
- Aktive Jahre
- 1933–1935
- Modus Operandi
- VergiftungVortäuschung von Hilfsbedürftigkeit
Zwölf tote Jungen, keine eindeutige Todesursache und mehr als 150 Zeugen: Der Schweriner Prozess gegen Gustav Adolf Seefeld beruhte auf Indizien. Der reisende Uhrmacher hatte sich Kindern als freundlicher älterer Mann genähert und war als „Onkel Tick-Tack” bekannt. Wie der NDR nach Auswertung historischer Gerichtsakten und neuerer Forschung berichtet, verurteilte ihn das Gericht 1936 wegen zwölf Morden. Die genaue Tötungsmethode blieb ungeklärt.
Werdegang
Gustav Adolf Seefeld wurde am 6. März 1870 in Potsdam geboren und lernte zunächst das Schlosserhandwerk, bevor er sich zum Uhrmacher weiterbildete. 1890 zog er nach Lübeck und heiratete, die Ehe wurde 1910 geschieden. Sein eigener Sohn wurde mit 19 Jahren wegen Sittlichkeitsdelikten in eine Anstalt eingewiesen. Als reisender Handwerker zog er fortan durch das gesamte Deutsche Reich und bot seine Dienste als Uhrmacher an.
Taten
Zwischen 1933 und 1935 lockte er wiederholt Jungen, die typischerweise Matrosenanzüge trugen, in Kiefernwälder und tötete sie dort. An den Leichen fanden sich keine Anzeichen von Gewalt, kein eindeutig nachweisbares Gift und keine gesicherten Hinweise auf sexuellen Missbrauch, weshalb Experten bis heute uneinig sind, wie genau er vorging. Der Schriftsteller Hans Pfeiffer vertrat später die These, der Täter habe seine Opfer in eine Art hypnotischen Schlaf versetzt, sie missbraucht und anschließend an Unterkühlung sterben lassen. Namentlich bekannt sind unter anderen die Opfer Kurt Gnirk, Wolfgang Metzdorf, Ernst Tesdorf und Gustav Thomas. Die Polizei vermutete zeitweise deutlich mehr als 100 mögliche Opfer über den gesamten Tatzeitraum, gerichtlich nachgewiesen wurden am Ende zwölf Fälle.
Ermittlung und Festnahme
Weil die Kinder ohne äußere Verletzungen aufgefunden wurden und er als reisender Handwerker ständig den Wohnort wechselte, blieb er den Ermittlern über Jahre hinweg unentdeckt. Erst in den 1930er-Jahren gelang es der Polizei, ihn mit mehreren der Fälle in Verbindung zu bringen und festzunehmen.
Prozess
Der Prozess vor dem Schweriner Schwurgericht begann am 21. Januar 1936. Am 22. Februar 1936 wurde er wegen Mordes in zwölf Fällen zwölffach zum Tode verurteilt.
Hinrichtung
Adolf Seefeld wurde am 23. Mai 1936 in Schwerin mit dem Fallbeil hingerichtet. Berichten zufolge musste er sich bei seiner letzten Mahlzeit, einem gebratenen Hähnchen, übergeben.
Nachwirkungen
Die Aktenlage zum Fall blieb nach seiner Verurteilung dürftig, überliefert sind vor allem zeitgenössische Zeitungsberichte sowie zwei Vernehmungsprotokolle aus seiner Gefängniszelle. Der Fall Gustav Adolf Seefeld gilt bis heute als einer der rätselhaftesten der deutschen Kriminalgeschichte, weil die genaue Tötungsmethode nie zweifelsfrei geklärt werden konnte. 2015 legten die Kriminologen Frank-Rainer Schurich und Michael Stricker mit „Der Serienmörder Adolf Seefeld und die moderne Kriminalistik” (Affiliate-Link) die bislang umfassendste wissenschaftliche Aufarbeitung des Falls vor.