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Abul Djabar

genannt „Turban-Mörder"

Kabul, die Stadt, in der Abul Djabar seine Taten beging
Ninaras, via Wikimedia Commons · CC BY 4.0
65
Opfer
„Turban-Mörder"
hingerichtet
SerienmörderKabul , Afghanistan
Aktive Jahre
bis 1970
Modus Operandi
ErwürgenVergewaltigung

Abul Djabar vergewaltigte und erwürgte über rund ein Jahrzehnt hinweg Jungen und junge Männer in der afghanischen Provinz Kabul. Mindestens 65 Morde wurden ihm zweifelsfrei nachgewiesen, Ermittler vermuteten bis zu 300 weitere Opfer. Besonders tragisch: Bevor er 1970 gefasst wurde, waren bereits zwei unschuldige Männer unter dem Druck der Öffentlichkeit für seine Taten hingerichtet worden.

Taten

Er suchte sich seine Opfer unter Jungen und jungen Männern und erwürgte sie während der Vergewaltigung mit deren eigenem Turban, einem in Afghanistan alltäglichen Kleidungsstück. Die Taten zogen sich mutmaßlich seit den frühen 1960er Jahren über rund ein Jahrzehnt hin. Die konservative, islamisch geprägte Gesellschaft und die Tabuisierung sexualisierter Gewalt gegen Jungen erschwerten die Ermittlungen zusätzlich, während der öffentliche Druck, den Täter zu fassen, stetig wuchs.

Fehlurteile

Unter diesem Druck verurteilten und exekutierten die Behörden zwei Männer, die mit den eigentlichen Taten nichts zu tun hatten, ein Justizirrtum, der erst nach seiner Festnahme offenbar wurde. Wie viele Menschen genau durch diese Fehlurteile ihr Leben verloren und wie die Ermittlungen im Einzelnen verliefen, ist außerhalb Afghanistans kaum dokumentiert.

Festnahme und Hinrichtung

Im Oktober 1970 wurde er von dem deutschen Kriminalbeamten Paul Günther, der von 1968 bis 1972 in Afghanistan tätig war, gemeinsam mit der örtlichen Polizei auf frischer Tat ertappt, als er ein weiteres Opfer angreifen wollte. Er gestand zahlreiche Taten und wurde wegen Mordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilt. Vermutlich 1921 geboren, wurde er am 21. Oktober 1970 in Kabul gehängt.

Nachwirkungen

Der Fall zählt zu den folgenreichsten Beispielen dafür, wie öffentlicher Druck zu Fehlurteilen führen kann, noch bevor der tatsächliche Täter identifiziert ist. Paul Günther, der maßgeblich an seiner Überführung beteiligt war, kehrte später nach Bayern zurück, wo er 2015 im Alter von 88 Jahren starb.