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Abraham Goldenberg

Die High Street von Bordon in Hampshire, unweit des Bankgebäudes, in dem Abraham Goldenberg seinen Raubmord beging
David Howard, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
1
Opfer
hingerichtet
TotschlägerBordon , Großbritannien
Aktive Jahre
1924
Modus Operandi
Erschießen

Ein Soldat wollte heiraten, hatte aber kein Geld dafür. Diese banale Verzweiflung endete am 3. April 1924 mit einem Schuss hinter dem Schalter einer Filiale der Lloyds Bank im englischen Bordon, Hampshire, und dem Tod eines völlig unbeteiligten Bankangestellten.

Werdegang

Abraham Goldenberg, genannt „Jack”, war 1924 als Lance Corporal im nahe gelegenen Armeelager Bordon Camp stationiert, wenige Kilometer von der kleinen Ortschaft entfernt. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig überliefert, bekannt ist vor allem sein Motiv: Er wollte seinen Militärdienst beenden und seine Verlobte heiraten, ihm fehlte dafür aber das nötige Geld.

Die Tat

Am Nachmittag des 3. April 1924 betrat er die Bankfiliale in Bordon. Als Kunde war er dem 28-jährigen Bankangestellten William Edward Hall bereits bekannt, er hatte kurz zuvor einen Scheck bei ihm eingelöst. Kurz darauf fiel ein Schuss. Ein Freund, der ihn nach Feierabend treffen wollte, fand ihn tot hinter dem Schalter in einer Blutlache, mit einer klaffenden Wunde am Kopf. Er erbeutete rund 1.000 Pfund, eine für die damalige Zeit erhebliche Summe.

Ermittlung und Festnahme

Die Polizei konzentrierte ihre Ermittlungen früh auf die Soldaten des nahen Lagers, da der Täter offenkundig mit den Abläufen der kleinen Bankfiliale vertraut war. Am 8. April beobachteten Ermittler, wie er Geldscheine aus einem in den Dachbalken seiner Unterkunft versteckten Paket zog, die gestohlenen Banknoten. Bei seiner Festnahme legte er zunächst ein Geständnis ab, wonach er selbst geschossen habe. Später widerrief er und behauptete, ein Komplize namens Meredith habe den tödlichen Schuss abgegeben, während er selbst nur am Diebstahl beteiligt gewesen sei.

Prozess und Hinrichtung

Der Fall kam vor die Winchester Assizes, wo die Verhandlung am 19. Juni 1924 begann. Die Anklage argumentierte, er habe die Tat sorgfältig geplant, um die Hochzeit mit seiner Verlobten zu finanzieren. Die Verteidigung berief sich auf eine „Dementia praecox” genannte psychische Störung, mit der ein Neurologe zu erklären versuchte, Abraham Goldenberg sei zur Tatzeit nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen. Die Geschworenen ließen sich davon nicht überzeugen und befanden ihn des Mordes für schuldig. Am 30. Juli 1924 wurde der 22-Jährige im Gefängnis von Winchester durch Thomas Pierrepoint und dessen Assistenten William Willis gehängt.

Nachwirkungen

Der Fall blieb ein regionales Kapitel der englischen Kriminalgeschichte, typisch für die zahlreichen, oft aus schierer Geldnot begangenen Raubmorde der Nachkriegsjahre in Großbritannien. Für Abraham Goldenberg selbst endete der Versuch, sich mit einem einzigen Verbrechen eine bürgerliche Zukunft zu erkaufen, nur wenige Monate nach der Tat am Galgen.