Die schlimmsten Verbrecher Deutschlands
Deutschland hat eine Reihe von Kriminalfällen hervorgebracht, die sich tief ins öffentliche Bewusstsein eingegraben haben. Die folgenden fünf Männer gehören zu den bekanntesten Serienmördern der deutschen Kriminalgeschichte. Ihre Fälle stehen nicht allein wegen hoher Opferzahlen in dieser Auswahl. Sie zeigen auch, wie soziale Not, Vorurteile, überforderte Ermittler und eine sensationshungrige Öffentlichkeit dazu beitragen konnten, dass Menschen verschwanden, ohne rechtzeitig gesucht oder geschützt zu werden.
Eine solche Liste darf nicht als Wettbewerb des Grauens verstanden werden. Die Bezeichnung „schlimmste Verbrecher” ist zwangsläufig subjektiv. Entscheidend sind hier das Ausmaß der Taten, ihre Dauer und ihre Folgen für Polizei, Justiz und Gesellschaft. Die in dieser Auswahl verwendeten Mindestzahlen summieren sich auf 75 Todesopfer. Bei Karl Denke und Joachim Kroll weichen Aufzeichnungen, Geständnisse und gerichtliche Feststellungen allerdings voneinander ab. Viele Opfer waren Kinder, Jugendliche, mittellose Reisende oder Frauen am Rand der Gesellschaft. Gerade ihre geringe gesellschaftliche Sichtbarkeit machte sie besonders schutzlos.
Die fünf Fälle reichen von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik der 1970er Jahre. Gemeinsam ist ihnen nicht ein einheitliches Tatmuster, sondern eine Serie verpasster Gelegenheiten. Hinweise wurden falsch bewertet, Vermisste nicht miteinander in Verbindung gebracht und Unschuldige verdächtigt. Erst als Zufälle, überlebende Opfer oder eindeutige Spuren die Ermittlungen in eine neue Richtung zwangen, endeten die Mordserien.
1. Fritz Haarmann, der „Werwolf von Hannover”
Fritz Haarmann tötete zwischen 1918 und 1924 mindestens 24 Jungen und junge Männer. Der Tatort Hannover war damals von den Folgen des Ersten Weltkriegs geprägt. Am Hauptbahnhof hielten sich viele Jugendliche, Arbeitsuchende und Reisende ohne feste Unterkunft auf. Lebensmittel, Kleidung und Wohnraum waren knapp, der Schwarzmarkt florierte. In diesem Umfeld konnte Fritz Haarmann Unterkunft, Arbeit oder eine warme Mahlzeit anbieten, ohne sofort Misstrauen zu erregen.
Besonders schwer wiegt seine Verbindung zur Polizei. Wegen seiner Kontakte in das kriminelle Milieu wurde Fritz Haarmann zeitweise als Informant eingesetzt. Obwohl er vorbestraft war und wegen Sexualdelikten an Jungen aufgefallen war, bewegte er sich im Bahnhofsviertel mit einer gewissen Autorität. Für einige Jugendliche wirkte er dadurch nicht wie eine Gefahr, sondern wie jemand, der Ärger mit der Polizei verhindern konnte.
Die Opfer nahm er mit in verschiedene Wohnungen. Dort tötete er sie und zerstückelte die Leichen. Knochen und andere Überreste gelangten in die Leine. Kleidung und persönliche Gegenstände verkaufte er oder gab sie weiter. Angehörige entdeckten später Besitzstücke vermisster Söhne auf Märkten oder bei Personen aus seinem Umfeld. Solche Wiedererkennungen halfen, einzelne Vermisstenfälle miteinander zu verbinden.
Im Frühjahr 1924 wurden zahlreiche menschliche Knochen in und an der Leine gefunden. Die Polizei musste aus verstreuten Überresten rekonstruieren, wie viele Menschen gestorben waren. Der Prozess im Dezember 1924 endete mit 24 Mordurteilen. Sein Bekannter Hans Grans wurde zunächst ebenfalls zum Tode verurteilt, später jedoch in einem neuen Verfahren wegen Beihilfe zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis heute ist umstritten, wie viel Hans Grans tatsächlich über die Taten wusste.
Ein besonders hartnäckiger Teil der Legende betrifft angeblich verkauftes Menschenfleisch. Der Verdacht passte zur Notzeit und wurde von der Presse bereitwillig verbreitet, vor Gericht ließ er sich jedoch nicht beweisen. Gesichert ist dagegen, dass Fritz Haarmann Gegenstände der Opfer in den Warenkreislauf brachte. Am 15. April 1925 wurde er in Hannover mit dem Fallbeil hingerichtet.
Der Fall löste nicht nur Entsetzen über die Taten aus. Er wurde auch zum Skandal über polizeiliches Versagen. Ein einschlägig vorbestrafter Mann hatte sich im Umfeld gefährdeter Jugendlicher bewegen und zugleich auf seine Kontakte zur Polizei berufen können. Spätere Filme und Bücher griffen den Fall immer wieder auf. Fritz Langs „M” wird häufig direkt mit Fritz Haarmann verbunden, der Film bündelte jedoch Motive mehrerer zeitgenössischer Kriminalfälle.
2. Peter Kürten, der „Vampir von Düsseldorf”
Peter Kürten versetzte Düsseldorf 1929 in Angst. Er griff Kinder und Erwachsene an, wechselte Tatorte und Waffen und ließ deshalb zunächst kein einfaches Muster erkennen. Zu den Tatmitteln gehörten Schere, Dolch und Hammer. Neben den vollendeten Tötungen gab es zahlreiche Überlebende. Das spätere Urteil umfasste neun Morde und sieben Mordversuche.
Peter Kürten war kein unbeschriebenes Blatt. Seit seiner Jugend war er immer wieder wegen Diebstahls, Einbruchs, Brandstiftung und Gewalttaten inhaftiert worden. Nach außen konnte er dennoch höflich und gepflegt auftreten. Nachbarn beschrieben ihn als unauffällig. Genau dieser Gegensatz zwischen bürgerlicher Fassade und wiederholter Gewalt verstärkte später die öffentliche Faszination.
Während der Mordserie gingen rund 12.000 Hinweise ein. Die Menge half nicht automatisch weiter. Falsche Geständnisse, Verdächtigungen und widersprüchliche Zeugenaussagen banden Kräfte. Das Innenministerium verstärkte die Düsseldorfer Polizei mit erfahrenen Beamten aus Berlin. Zu ihnen gehörte Ernst Gennat, der die systematische Bearbeitung von Tötungsdelikten entscheidend geprägt hatte. Kriminaldirektor Willy Gay erstellte außerdem eine frühe kriminalpsychologische Beschreibung des gesuchten Täters. Solche Methoden waren damals noch neu und konnten fehlende Spuren nicht ersetzen.
Die entscheidende Wendung kam nicht durch ein spektakuläres Laborergebnis. Eine Frau hatte einen Angriff überlebt und in einem Brief über ihre Begegnung berichtet. Das Schreiben gelangte an die falsche Adresse und wurde schließlich der Polizei übergeben. Die Suche nach dem beschriebenen Haus führte in die Nähe der Wohnung von Peter Kürten. Seine Ehefrau erfuhr von den Taten und nannte den Ermittlern einen geplanten Treffpunkt. Am 24. Mai 1930 wurde er festgenommen.
Der Spitzname „Vampir von Düsseldorf” entstand durch die zeitgenössische Presse. Peter Kürten hatte einem Schwan im Düsseldorfer Hofgarten den Kopf abgeschlagen und in mindestens einem Fall Blut eines Opfers getrunken. Die Bezeichnung machte aus einem realen Täter eine beinahe übernatürliche Figur. Das steigerte die Auflage, verdeckte aber die nüchterne Tatsache, dass er über Jahre durch bekannte Formen von Gewalt, Einschüchterung und Gelegenheitstaten aufgefallen war.
Im April 1931 begann der Prozess. Sachverständige untersuchten seine Schuldfähigkeit und seine Motive, das Gericht verurteilte ihn neunmal zum Tode. Am 2. Juli 1931 wurde Peter Kürten in Köln hingerichtet. Kriminalhistorisch bedeutsam blieb vor allem die neue Dimension der Ermittlungen: eine große Sonderkommission, überregionale Zusammenarbeit, psychologische Täterbeschreibung und eine öffentliche Debatte darüber, wie Polizei mit Serien von scheinbar unverbundenen Taten umgehen sollte.
3. Karl Denke, der „Kannibale von Münsterberg”
Karl Denke lebte in Münsterberg in Schlesien, dem heutigen Ziębice in Polen. In der Stadt galt er als stiller, religiöser und hilfsbereiter Mann. Er verdiente Geld mit Handarbeiten und bot armen Durchreisenden kleine Arbeiten, Essen oder Unterkunft an. Viele Einwohner nannten ihn deshalb „Papa Denke”. Der gute Ruf war ein wirkungsvoller Schutz, denn seine späteren Opfer gehörten überwiegend zu Menschen, deren Verschwinden selten überregional bekannt wurde.
Die Mordserie begann wahrscheinlich 1903 und dauerte mehr als zwanzig Jahre. Eine zentrale Rolle spielten Wanderarbeiter, Bettler und Menschen ohne stabiles soziales Netz. Sie reisten häufig ohne genaue Pläne und wurden nicht immer sofort vermisst. Behörden verschiedener Orte führten keine gemeinsame Vermisstendatei. Selbst mehrere verschwundene Personen im Umfeld eines Mannes mussten deshalb noch kein erkennbares Muster ergeben.
Am 21. Dezember 1924 änderte ein Überlebender alles. Der Wanderarbeiter Vincenz Olivier befand sich in der Wohnung von Karl Denke, als dieser ihn mit einer Hacke am Kopf verletzte. Vincenz Olivier konnte fliehen und Hilfe holen. Zunächst passte der Vorwurf kaum zum öffentlichen Bild des vermeintlichen Wohltäters. Erst die Durchsuchung des Hauses machte deutlich, dass es nicht um einen einzelnen Angriff ging.
Die Ermittler fanden menschliche Überreste, zahlreiche Zähne, Kleidungsstücke, Ausweispapiere und detaillierte Aufzeichnungen. Ein Notizbuch enthielt Namen und Angaben zu Dutzenden Menschen. Daraus wurde eine Opferzahl von mindestens 30 abgeleitet. Wie viele Einträge tatsächlich für Getötete standen und ob weitere Opfer fehlten, ließ sich nie vollständig klären.
Karl Denke erhängte sich in der Nacht nach seiner Festnahme in der Zelle. Damit entfiel ein Prozess, in dem Beweise, Zeugenaussagen und offene Fragen öffentlich hätten geprüft werden können. Viele spätere Darstellungen übernahmen deshalb Vermutungen aus den ersten Presseberichten. Besonders die Behauptung, er habe Fleisch von Opfern als Schweinefleisch verkauft, wurde oft als gesicherte Tatsache wiederholt. Die Funde belegen Zerstückelung und die Aufbewahrung menschlicher Überreste, nicht jede ausgeschmückte Geschichte über deren Verwendung.
Der Fall geriet im Vergleich zu den fast zeitgleichen Ermittlungen gegen Fritz Haarmann schnell in den Hintergrund. Hinzu kam, dass ein großer Teil der Akten später verloren ging. Gerade deshalb ist Karl Denke ein Beispiel dafür, wie vorsichtig historische Kriminalfälle erzählt werden müssen. Wo kein Prozess stattfand und Originalunterlagen fehlen, darf die spätere Legende nicht an die Stelle belegbarer Tatsachen treten.
4. Joachim Kroll, der „Kannibale von Duisburg”
Joachim Kroll steht für eine Mordserie, bei der nicht nur die lange Dauer erschüttert. Zwischen der ersten gerichtlich behandelten Tat von 1955 und seiner Festnahme im Juli 1976 lagen mehr als zwei Jahrzehnte. Er bewegte sich im Ruhrgebiet, wechselte Orte und ließ zwischen einzelnen Taten teilweise Jahre vergehen. Die Opfer waren überwiegend Mädchen und junge Frauen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Joachim Kroll aus Oberschlesien nach Nordrhein-Westfalen. Er arbeitete unter anderem als Waschraum- und Toilettenwärter in der Industrie. Später wohnte er in Duisburg-Laar. Im Viertel wirkte er unscheinbar und war einigen Kindern als freundlicher „Onkel Achim” bekannt. Diese Wahrnehmung stand in scharfem Gegensatz zu den Taten, die ihm später nachgewiesen wurden.
Das Ende der Serie begann mit dem Verschwinden eines vierjährigen Mädchens am 3. Juli 1976. Bei der Suche geriet das Haus in den Blick, in dem Joachim Kroll wohnte. Eine verstopfte Toilette und seine auffällige Erklärung führten zur Kontrolle der Wohnung. Dort fanden Polizisten Teile des Kindes. Joachim Kroll wurde festgenommen und gestand in den folgenden Vernehmungen zahlreiche weitere Tötungen.
Seine Aussagen betrafen 14 Morde. Vor Gericht ging es jedoch um acht vollendete Morde und einen Mordversuch, die sich ausreichend belegen ließen. Der Unterschied ist entscheidend. Ein Geständnis ist keine automatisch gesicherte Opferzahl, besonders wenn Taten Jahrzehnte zurückliegen und Akten bereits eine andere Person als Täter behandelt hatten. Der Prozess begann 1979 und dauerte 151 Verhandlungstage. Im April 1982 erhielt Joachim Kroll neun lebenslange Freiheitsstrafen.
Der Fall zeigt auf besonders bedrückende Weise die Folgen fehlgeleiteter Ermittlungen. Für einzelne Taten waren zuvor unschuldige Männer verdächtigt oder verurteilt worden. Einer verbrachte Jahre im Gefängnis, andere zerbrachen an den Beschuldigungen. Solche Irrtümer entzogen nicht nur Unschuldigen Freiheit und Lebensperspektive. Sie sorgten auch dafür, dass Fälle als aufgeklärt galten und mögliche Zusammenhänge mit weiteren Morden nicht mehr verfolgt wurden.
Joachim Kroll starb 1991 in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach. Ein frei nutzbares Porträt konnte für diese Story nicht belegt werden. Das Bild zeigt deshalb bewusst Duisburg-Laar und wird nicht als Täterfoto ausgegeben. Pressebilder und Polizeiaufnahmen aus den 1970er Jahren sind nicht allein deshalb gemeinfrei, weil sie alt oder häufig im Internet kopiert wurden.
5. Fritz Honka
Fritz Honka tötete zwischen 1970 und 1975 vier Frauen in Hamburg. Gertraud Bräuer, Anna Beuschel, Frieda Roblick und Ruth Schult lebten in schwierigen sozialen Verhältnissen und hielten sich im Umfeld der Kneipen von St. Pauli auf. In älteren Berichten wurden sie häufig nur als Prostituierte oder Alkoholikerinnen beschrieben. Solche Etiketten reduzierten vier Menschen auf ihre Notlage und erklären zugleich, weshalb ihr Verschwinden kaum öffentlichen Druck auslöste.
Fritz Honka lernte Frauen in Lokalen wie dem „Goldenen Handschuh” kennen. Er bezahlte Getränke und nahm sie mit in seine kleine Dachwohnung in der Zeißstraße 74 in Hamburg-Ottensen. Dort tötete er sie. Die sterblichen Überreste versteckte er in Verschlägen, Dachnischen und hinter Verkleidungen. Den Geruch versuchte er mit Duftmitteln zu überdecken. Beschwerden im Haus führten dennoch lange nicht zur Entdeckung.
Der Zufall, der die Taten sichtbar machte, ereignete sich am 17. Juli 1975. In einer benachbarten Wohnung war bei Kerzenlicht ein Feuer ausgebrochen. Feuerwehrleute suchten auch im Dachbereich nach Glutnestern und stießen dabei auf menschliche Überreste. Kriminalbeamte öffneten Wände und Dielen. Am Ende fanden sie Teile von vier Frauen. Fritz Honka kam während der Ermittlungen von seiner Arbeit als Nachtwächter zurück und wurde festgenommen.
Im Verhör räumte er zunächst nur Teile des Geschehens ein. Der Prozess endete am 20. Dezember 1976. Das Landgericht Hamburg verurteilte ihn wegen eines Mordes und dreier Fälle von Totschlag zu 15 Jahren Freiheitsstrafe. Wegen verminderter Schuldfähigkeit wurde außerdem die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet. Die juristische Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag führte schon damals zu Diskussionen, weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung kaum mit der Brutalität und Dauer der Taten zusammenpasste.
Nach vielen Jahren in der Psychiatrie wurde Fritz Honka schrittweise entlassen. Später lebte er unter dem Namen Peter Jensen in einem Pflegeheim in Scharbeutz. Er starb am 19. Oktober 1998 in Hamburg.
Heinz Strunks Roman „Der goldene Handschuh” und die Verfilmung von Fatih Akin machten den Fall einem neuen Publikum bekannt. Die drastische Darstellung rückte erneut den Täter und das Elend des Kneipenmilieus ins Zentrum. Eine notwendige Gegenbewegung ist die Erinnerung an die Opfer. Seit Mai 2025 trägt ein Gedenkstein im „Garten der Frauen” auf dem Ohlsdorfer Friedhof ihre Namen. Das hier verwendete Foto dieses Steins wurde vom Urheber mit CC0 freigegeben und kann deshalb ohne urheberrechtliche Einschränkungen genutzt werden.
Was die fünf Fälle gemeinsam haben
Die Taten geschahen in unterschiedlichen politischen Systemen und gesellschaftlichen Milieus. Trotzdem wiederholen sich bestimmte Strukturen. Viele Opfer gehörten zu Gruppen, denen Behörden und Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit schenkten. Junge Reisende ohne festen Wohnsitz, arme Wanderarbeiter, Kinder aus wenig geschützten Situationen und Frauen aus dem Kneipen- oder Prostitutionsmilieu konnten verschwinden, ohne dass sofort eine große Suche begann.
Auch die Ermittlungsarbeit war lange lokal organisiert. Peter Kürten wechselte Waffen und Opfergruppen. Joachim Kroll verteilte seine Taten über verschiedene Städte des Ruhrgebiets. Fritz Haarmann und Karl Denke nutzten eine Zeit, in der viele Menschen unterwegs waren und es keine zentralen digitalen Register gab. Ein Vermisstenfall in einer Stadt musste nicht mit einem Leichenfund in einer anderen Region verbunden werden.
Hinzu kam die Macht eines unauffälligen Alltagsbildes. Karl Denke galt als hilfsbereit, Fritz Haarmann berief sich auf Polizeikontakte, Peter Kürten erschien gepflegt, Joachim Kroll wurde von Nachbarn unterschätzt und Fritz Honka ging einer regelmäßigen Arbeit nach. Keiner sah im täglichen Umgang so aus, wie sich die Öffentlichkeit einen Serienmörder vorstellte. Gerade diese Erwartung ist gefährlich. Gewalt lässt sich nicht an Kleidung, Beruf oder einem bestimmten Gesicht erkennen.
Die Fälle zeigen außerdem, warum zwischen Geständnis, Verdacht und Urteil unterschieden werden muss. Joachim Kroll gestand mehr Taten, als ihm vor Gericht nachgewiesen wurden. Bei Karl Denke verhinderte der Suizid einen Prozess. Um Fritz Haarmann und Fritz Honka wuchsen Legenden, die durch Bücher und Filme weitergetragen wurden. Eine verantwortungsvolle Darstellung benennt solche Unterschiede, statt die spektakulärste Version automatisch als Wahrheit zu übernehmen.
Heute erleichtern DNA-Analysen, digitale Fallverknüpfung und überregionale Datenbanken den Vergleich von Spuren. Sie verhindern Fehler nicht automatisch. Der wichtigste Fortschritt bleibt, Vermisste und Gewaltopfer unabhängig von Alter, Herkunft, Einkommen oder Lebensweise ernst zu nehmen. Darin liegt die aktuellste Lehre aus diesen historischen Fällen.
Ausführliche Lebensläufe, Opferzahlen und juristische Angaben stehen in den verlinkten Täterprofilen. Weitere Hintergründe zu Kriminalpsychologie, Ermittlungsarbeit und gesellschaftlichen Ursachen finden sich im Bereich Wissen.