Zehn Jahre Haft nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter in der Westpfalz
Das Landgericht Zweibrücken hat am 9. Juli 2026 einen 26-jährigen Mann zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er im Februar den Zugbegleiter Serkan Calar bei einer Fahrscheinkontrolle in einem Regionalexpress nahe Landstuhl so schwer verletzte, dass dieser zwei Tage später an einer Hirnblutung starb. Das Gericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung mit Todesfolge, blieb damit unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe und lehnte die von der Nebenklage geforderte Verurteilung wegen Mordes oder Totschlags ab. Die Familie des Opfers kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.
Die Tat
Der Angeklagte, ein 26-jähriger Grieche zuletzt wohnhaft in Luxemburg, war ohne gültigen Fahrschein in dem Regionalexpress unterwegs und wollte sich bei der Kontrolle auch nicht ausweisen. Als Serkan Calar ihn aufforderte, den Zug zu verlassen, schlug der Mann nach bisherigem Ermittlungsstand mit voller Wucht mehrfach gegen Kopf, Kinn und Brust des 36-Jährigen, bis dieser bewusstlos wurde. Serkan Calar war alleinerziehender Vater zweier minderjähriger Söhne aus Ludwigshafen und starb zwei Tage nach der Tat im Krankenhaus.
Prozess und Urteil
Vor Gericht räumte der Angeklagte die Tat ein, bestritt jedoch einen Tötungsvorsatz und bat um Verzeihung, was die Nebenklage als unaufrichtig zurückwies. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert, das Gericht blieb mit zehn Jahren darunter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Anwalt der Hinterbliebenen kündigte bereits vor der Urteilsverkündung an, Revision beim Bundesgerichtshof einzulegen, da die Familie eine Verurteilung wegen Mordes oder Totschlags für angemessener hält.
Reaktionen und Debatte um Sicherheit im Zugverkehr
Der Fall hat eine bundesweite Debatte über die Sicherheit von Zugbegleitern im Dienst ausgelöst. Allein in der Region wurden für das Jahr 2025 rund 231 Übergriffe auf Bahnpersonal dokumentiert. Gewerkschaften und Bahnbeschäftigte fordern seit dem Urteil verstärkt Konsequenzen wie mehr Sicherheitspersonal und härtere Strafen bei Gewalt gegen Zugpersonal.
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