Jordan Neely: Tod durch Würgegriff in der New Yorker U-Bahn und der Freispruch von Daniel Penny
Am 1. Mai 2023 starb der 30-jährige Jordan Neely in einem New Yorker U-Bahn-Zug der Linie F, nachdem ihn ein 24-jähriger Mitreisender mehrere Minuten lang im Würgegriff gehalten hatte. Der Fall entwickelte sich zu einem der meistdiskutierten US-Kriminalfälle der 2020er Jahre und wird bis heute häufig dem Fall Iryna Zarutska gegenübergestellt, siehe dazu den Hintergrundartikel Der Fall Iryna Zarutska als politisches Symbol.
Der Vorfall in der U-Bahn
Jordan Neely war als Straßenkünstler und Michael-Jackson-Imitator in der New Yorker U-Bahn und am Times Square bekannt. Nachdem seine Mutter 2007, als er vierzehn Jahre alt war, von ihrem Partner getötet worden war, litt er unter schwerer Depression, Schizophrenie und posttraumatischer Belastungsstörung und lebte zeitweise auf der Straße. Am Nachmittag des 1. Mai 2023 betrat er einen Zug Richtung Broadway-Lafayette Street, warf Müll umher, bedrohte Mitreisende verbal und äußerte laut Zeugenaussagen, er habe keine Angst mehr vor einer lebenslangen Haftstrafe. Ein Marineveteran, der zu diesem Zeitpunkt Architektur studierte, näherte sich ihm von hinten und legte ihm einen Würgegriff an, den er nach Zeugenangaben rund sechs Minuten lang aufrechterhielt, auch nachdem Jordan Neely aufgehört hatte, sich zu wehren. Rettungskräfte konnten ihn trotz Reanimationsversuchen nicht mehr retten, er wurde im Krankenhaus für tot erklärt. Die New Yorker Gerichtsmedizin stufte den Tod als Tötungsdelikt durch Kompression des Halses ein.
Ermittlungen, Anklage und Prozess
Der Angreifer wurde am Tattag zunächst befragt und ohne Anklage wieder freigelassen, erst rund zehn Tage später erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Totschlags zweiten Grades, später ergänzt um den milderen Vorwurf fahrlässiger Tötung. Der Prozess begann im Oktober 2024. Die Verteidigung argumentierte, Jordan Neely habe eine akute Gefahr für die Mitreisenden dargestellt, die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten eine deutlich überzogene Reaktion vor. Ein von der Verteidigung benannter Pathologe führte den Tod auf eine Kombination aus synthetischem Cannabis, einer Sichelzellanlage und der Schizophrenie-Erkrankung zurück, was die zuständige Gerichtsmedizinerin als „höchst unwahrscheinlich” zurückwies.
Der Freispruch
Nachdem sich die Geschworenen beim schwereren Vorwurf des Totschlags nicht einigen konnten, ließ der Richter diese Anklage im Dezember 2024 fallen. Beim verbleibenden Vorwurf der fahrlässigen Tötung sprachen die Geschworenen den Angeklagten am 9. Dezember 2024 frei.
Reaktionen und Nachwirkungen
Bereits in den Tagen nach der Tat kam es in New York zu Protesten, mehrere Bürgerrechtsorganisationen forderten eine Anklage. Für die Verteidigung des Angeklagten wurden über eine private Spendenkampagne umgerechnet fast drei Millionen US-Dollar von rund 59.000 Spendern gesammelt, unter anderem unterstützt von republikanischen Politikern. Nach dem Freispruch war der freigesprochene Ex-Marine als Ehrengast des designierten Präsidenten Donald Trump und des designierten Vizepräsidenten JD Vance bei einem Footballspiel zu Gast und wurde wenig später von einem Risikokapitalunternehmen für dessen Rüstungs- und Sicherheitssparte angestellt. Eine zivilrechtliche Klage von Jordan Neelys Vater gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung war Ende 2025 noch anhängig. Bei Jordan Neelys Beerdigung im Mai 2023 hielt der Bürgerrechtler Al Sharpton die Trauerrede.