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02. Juli 2026

Sechs Tote in Stade: Bluttat in einer Mutter-Kind-Einrichtung

Der historische Hansehafen in der Altstadt von Stade
EureQA/Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Es ist eine Tat, die fassungslos macht: In einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade wurden am 29. Juni 2026 sechs Mitarbeiter erschossen. Nach allem, was bisher bekannt ist, liegt das Motiv nicht in Politik oder Ideologie, sondern im engsten familiären Umfeld des mutmaßlichen Täters: in einem eskalierten Sorgerechtsstreit.

Was geschah in Stade?

Gegen 12.10 Uhr gingen mehrere Notrufe bei der Polizei ein: In der Einrichtung waren Schüsse gefallen. Weil eine Wache in der Nähe liegt, waren die Beamten nach eigenen Angaben rasch vor Ort. Sie fanden vier Tote im Gebäude. Eine weitere Person wurde noch vor dem Haus vergeblich wiederbelebt, ein sechstes Opfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Polizeipräsidentin Kathrin Schuol sprach von einem „grausamen Bild”.

Ein flüchtendes Fahrzeug mit dem mutmaßlichen Schützen konnte die Polizei unweit des Tatorts stoppen.

Die Opfer

Bei den sechs Getöteten handelt es sich um Mitarbeiter des privaten Trägers der Jugendhilfeeinrichtung sowie des Jugendamts, vier Frauen und zwei Männer. Die Bewohner der Einrichtung blieben unverletzt und wurden an einem sicheren Ort untergebracht. Die Polizei bat ausdrücklich darum, die Privatsphäre der Angehörigen zu wahren.

Die Einrichtung

Das Kinder- und Jugendhaus Stade liegt in einer ruhigen Wohngegend und bietet nach eigenen Angaben voll- und teilbetreute Wohngruppen für junge Mütter mit ihren Kindern: einen zeitlich begrenzten Schutzraum für werdende Mütter und junge Frauen mit Kind. Betrieben wird die Unterkunft von einem privaten Träger; genutzt wurde sie unter anderem vom Jugendamt Hannover.

Der Tatverdächtige und das Motiv

Der Festgenommene ist nach Polizeiangaben 45 Jahre alt, in Deutschland geboren, wohnt im Raum Hannover und besitzt die türkische Staatsangehörigkeit. Über ihn lagen bereits polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem wegen Bedrohung. Eine Erlaubnis zum Waffenbesitz hatte er nicht.

Das mutmaßliche Motiv sehen die Ermittler im familiären Bereich. Der Verdächtige befand sich offenbar in einem Sorgerechtsstreit: Seine drei Monate alte Tochter war zuvor aus der Familie genommen worden und durfte unter Auflagen zurück zur 34-jährigen Mutter, allerdings nicht an deren Wohnort in Hannover, sondern in die Stader Einrichtung. Zu einem Gespräch über diese Situation, an dem viele der späteren Opfer teilnahmen, war der als auffällig geltende Vater geladen. Dort soll er eine Waffe gezogen und die Anwesenden erschossen haben. Tochter und Kindsmutter blieben unverletzt.

Auf der Flucht saß der Mann in einem Wagen, den eine 65-jährige Frau aus seinem erweiterten Bekannten- oder Familienkreis steuerte. Die Polizei stoppte das Auto, indem sie die Reifen zerschoss; beide kamen in Gewahrsam. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach von einer „kaltblütigen” Tat mit „familiären Motiven”. Anfängliche Hinweise auf eine Clan-Zugehörigkeit bestätigten sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft nicht; man gehe von einem „singulären Fall” aus.

Die Tatwaffe

Die mutmaßliche Tatwaffe wurde beschlagnahmt. Um welchen Typ es sich handelt, teilte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht mit. Nach Recherchen des NDR soll der Verdächtige Pistole und Munition rund eine Woche vor der Tat am Kurfürstendamm in Berlin für etwa 4.000 Euro gekauft haben.

Reaktionen

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, die Nachricht aus Stade erschüttere „bis ins Mark”. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte seine Anteilnahme und dankte den Einsatzkräften. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) nannte den Angriff „erschütternd”, bat aber zugleich darum, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen Raum zu geben. Am 2. Juli 2026 gedachte Niedersachsen der Opfer bei einer Trauerandacht.

Die weiteren Entwicklungen im Ermittlungsverfahren, darunter die offizielle Anklage wegen sechsfachen Mordes und der Mordverdacht gegen zwei weitere Frauen aus dem Umfeld des Falls, sind in einem separaten Bericht zusammengefasst: Nach der Bluttat von Stade: Anklage wegen sechsfachen Mordes, Mordverdacht auch gegen Patentante und Kindsmutter. Zum Tod des Tatverdächtigen in der Untersuchungshaft: Tatverdächtiger von Stade in Justizvollzugsanstalt tot aufgefunden.