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18. Juli 2026

Ehrenmord an Saman Abbas: Italiens oberstes Gericht bestätigt lebenslange Haftstrafen endgültig

Piazza Unità d'Italia in Novellara, dem Ort in der Provinz Reggio Emilia, in dem Saman Abbas lebte und getötet wurde
Lombardelli, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Am 16. Juli 2026 bestätigte Italiens oberstes Gericht endgültig die lebenslangen Haftstrafen gegen die Eltern und zwei Cousins der 18-jährigen Saman Abbas sowie eine 22-jährige Haftstrafe gegen ihren Onkel. Fünf Jahre nach der Tat ist damit, so Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, eine „schmerzhafte juristische Odyssee” zu Ende gegangen.

Der Fall

Saman Abbas war als Teenager aus Pakistan in die norditalienische Gemeinde Novellara in der Provinz Reggio Emilia gekommen und übernahm dort rasch westliche Lebensgewohnheiten: Sie trug kein Kopftuch mehr und postete in sozialen Netzwerken Fotos mit ihrem Freund. Nach Überzeugung der Ermittler brachte gerade ein solches Foto, das sie beim Küssen mit ihrem Freund in Bologna zeigte, ihre Eltern gegen sie auf, die sie stattdessen mit einem älteren Cousin in Pakistan verheiraten wollten. Sie wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 2021 getötet, ihre Leiche erst 18 Monate später in einem verlassenen Bauernhof nahe dem Arbeitsplatz ihres Vaters gefunden, nachdem ihr Freund sie als vermisst gemeldet hatte. Eine Obduktion ergab einen möglicherweise durch Erwürgen verursachten Bruch eines Halsknochens. Ein ausführliches Profil zum Fall und den Verantwortlichen ist im Täter-Verzeichnis zu finden: Shabbar Abbas.

Vom Ersturteil zur endgültigen Bestätigung

Ihre Eltern waren wenige Tage nach der Tat nach Pakistan geflohen, ihr Vater Shabbar Abbas wurde 2023 nach Italien ausgeliefert, ihre Mutter Nazia Shaheen erst 2024 nach drei Jahren auf der Flucht festgenommen. Ein erstes Urteil des Gerichts in Reggio Emilia verhängte im Dezember 2023 lebenslange Haft gegen beide Elternteile und 14 Jahre gegen den Onkel Danish Hasnain, während zwei Cousins zunächst freigesprochen wurden. Im April 2025 verschärfte das Berufungsgericht in Bologna dieses Urteil: Auch die beiden zuvor freigesprochenen Cousins, Noman Ul Haq und Ijaz Ikram, wurden nun zu lebenslanger Haft verurteilt, die Strafe des Onkels auf 22 Jahre angehoben. Mit der Entscheidung vom 16. Juli 2026 wies das oberste italienische Gericht alle verbliebenen Berufungen der Familie zurück, die Urteile sind damit rechtskräftig.

Einordnung

Der Generalstaatsanwalt am obersten Gericht, Marco Dall’Olio, betonte, es habe sich nicht um eine spontane Bluttat, sondern um eine „vorsätzliche, gemeinschaftlich geplante Tat” gehandelt, bei der Saman als erwachsene Frau nicht über ihr eigenes Leben habe entscheiden dürfen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, in Italien sei „kein Platz für jene, die im Namen vermeintlicher kultureller oder religiöser Rechtfertigungen die Freiheit, Würde und das Leben einer Frau infrage stellen”. Der Fall reiht sich damit in eine wachsende Zahl italienischer Verfahren gegen Familienangehörige ein, die Frauen und Mädchen wegen ihrer Weigerung, eine arrangierte Ehe einzugehen, getötet haben. Er steht zugleich in scharfem Kontrast zu ähnlichen Fällen in Pakistan selbst: Als die 26-jährige Sana Cheema, die in Italien lebte, 2018 bei einem Besuch in ihrer pakistanischen Heimat unter ähnlichen Umständen getötet aufgefunden wurde, sprach ein Gericht in Gujrat ihren Vater, ihren Bruder und ihren Onkel 2019 mangels „sicherer Beweise” frei, nachdem ein zunächst vorliegendes Geständnis im Ermittlungsverfahren zurückgezogen worden war. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass in Pakistan jährlich rund 1.000 sogenannte Ehrenmorde begangen werden.