Mord an Pim Fortuyn: Attentat auf einen niederländischen Politiker
Am Nachmittag des 6. Mai 2002 wurde der niederländische Politiker Pim Fortuyn auf dem Parkplatz vor einem Rundfunkstudio im niederländischen Hilversum erschossen, neun Tage vor einer Parlamentswahl, bei der seine Partei als aussichtsreich galt. Es war das erste politische Attentat in den Niederlanden seit fast 300 Jahren und löste eine der tiefsten politischen Krisen der niederländischen Nachkriegsgeschichte aus.
Der aufsehenerregende Politiker
Fortuyn wurde am 19. Februar 1948 im nordholländischen Velsen geboren und machte zunächst als Soziologieprofessor, Kolumnist und Publizist Karriere, bevor er sich Ende der 1990er-Jahre der Politik zuwandte. Mit seiner unkonventionellen, provokanten Rhetorik gegen die Zuwanderungspolitik und den politischen Islam sowie seinem offen zur Schau gestellten, extravaganten Lebensstil polarisierte er die niederländische Öffentlichkeit wie kaum ein Politiker vor ihm. Nach Zerwürfnissen mit der Partei Leefbaar Nederland gründete er 2002 seine eigene Liste, die Lijst Pim Fortuyn (LPF), die in Umfragen rasant an Zustimmung gewann und ihn zu einer der bekanntesten und umstrittensten Figuren des Landes machte.
Die Tat
Kurz nachdem er im Rundfunkstudio in Hilversum ein Interview gegeben hatte, wartete ein 32 Jahre alter Tierrechts- und Umweltaktivist auf dem angrenzenden Parkplatz auf ihn und gab mehrere Schüsse aus einer illegalen Pistole ab, von denen fünf trafen. Der Politiker starb noch am Tatort. Ein ausführliches Profil zum Täter, seinen Beweggründen und dem späteren Prozess ist im Täter-Verzeichnis zu finden: Volkert van der Graaf.
Nachwirkungen
Die Nachricht von der Ermordung löste im ganzen Land Fassungslosigkeit und teils gewalttätige Proteste aus, mancherorts wurden Moscheen und linke Parteibüros angegriffen, weil Gerüchte über eine islamistische Täterschaft kursierten. Bei der Parlamentswahl neun Tage später wurde die LPF aus dem Stand zweitstärkste Kraft und zog in eine kurzlebige Regierungskoalition ein, die bereits im Oktober 2002 wieder zerbrach. Der Fall gilt bis heute als tiefer Einschnitt im politischen Klima der Niederlande und wird häufig als Beginn einer neuen, schärferen Tonlage in der niederländischen Migrations- und Islamdebatte beschrieben.
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