Mord an Marwa El-Sherbini: Tödliche Messerattacke im Dresdner Gerichtssaal
Am 1. Juli 2009 wurde die schwangere Ägypterin Marwa El-Sherbini während einer Gerichtsverhandlung im Landgericht Dresden mit 18 Messerstichen getötet, weil sie Muslimin war. Der Mord löste international Entsetzen aus und gilt bis heute als einer der prägendsten Fälle antimuslimischer Gewalt in Deutschland.
Handballerin, Apothekerin, Mutter
Marwa wurde am 7. Oktober 1977 in Alexandria als Tochter eines Chemiker-Ehepaares geboren. Von 1992 bis 1999 spielte sie in der ägyptischen Handballnationalmannschaft und wurde mit ihr 1998 und 1999 Dritte bei den arabischen Meisterschaften. Parallel studierte sie von 1995 bis 2000 Pharmazie. 2005 zog sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Biologen Elwy Ali Okaz, nach Deutschland, seit 2008 lebte die Familie mit ihrem kleinen Sohn in Dresden, wo sie in einer Apotheke arbeitete und ein Kopftuch trug.
Die Tat
Ausgangspunkt war ein Streit auf einem Spielplatz im August 2008, bei dem ein Dresdner Mann Marwa rassistisch und islamfeindlich beleidigte, sie hatte daraufhin Anzeige erstattet. Zur Berufungsverhandlung gegen ihn war sie im Juli 2009 als Zeugin geladen. Im Gerichtssaal zog der Angeklagte ein Messer und stach 18-mal auf sie ein, ihr herbeieilender Ehemann wurde dabei selbst schwer verletzt. Ein ausführliches Profil zum Täter, dem Tathergang im Detail und dem späteren Prozess ist im Täter-Verzeichnis zu finden: Alex Wiens.
Nachwirkungen
Der Mord löste weltweit Entsetzen aus, insbesondere in Ägypten und weiteren muslimisch geprägten Ländern, wo Marwa vielerorts als „Kopftuch-Märtyrerin” bezeichnet wurde. Bei ihrer Beisetzung in Alexandria nahmen tausende Menschen teil, in mehreren Ländern kam es zu Protesten vor deutschen Botschaften. Der Fall belastete die deutsch-ägyptischen Beziehungen erheblich. In Dresden erinnert seit 2010 ein nach ihr benanntes Kultur- und Bildungszentrum an sie, seit 2013 wird zudem jährlich am 22. August, dem Jahrestag des Spielplatzstreits, der „Internationale Tag gegen antimuslimischen Rassismus” begangen.
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