Iryna Zarutska: Tödlicher Messerangriff in der Charlotte Light Rail und eine verstörende Tonaufnahme aus der Haft
Am Abend des 22. August 2025 wurde die 23-jährige ukrainische Geflüchtete Iryna Zarutska in einem Zug der Lynx Blue Line, der Stadtbahn von Charlotte in North Carolina, USA, von einem Mitreisenden erstochen. Der Fall löste in den USA eine breite, bis heute anhaltende Debatte über Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr, Kautionsrecht und den Umgang mit unbehandelten psychischen Erkrankungen aus, verschärft durch eine später öffentlich gewordene Tonaufnahme, in der der Tatverdächtige aus der Untersuchungshaft heraus von einer angeblichen Fremdsteuerung seines Körpers sprach.
Die Tat
Iryna Zarutska war 2022 gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem jüngeren Bruder vor dem russischen Angriffskrieg aus Kiew in die USA geflohen, ihr Vater musste wegen des in der Ukraine geltenden Kriegsrechts zurückbleiben. Sie lebte inzwischen in Charlotte, arbeitete in einer Pizzeria und besuchte nebenbei Collegekurse. Auf dem Heimweg von der Arbeit stieg sie gegen 21:46 Uhr an der Station Scaleybark in die Bahn und setzte sich in die Reihe vor einem 34-jährigen Mitfahrer, der zuvor bereits stundenlang ohne erkennbaren Grund im Zug unterwegs gewesen war. Etwa vier Minuten später zog der Mann ein Klappmesser aus seiner Jacke und stach von hinten dreimal zu, unter anderem in den Hals. Überwachungsaufnahmen der Verkehrsbetriebe, die rund zwei Wochen später veröffentlicht wurden, zeigten die Tat und verbreiteten sich rasch im Internet. Der Angreifer verließ den Zug zwei Minuten später an der Station East/West Boulevard und wurde dort von der Polizei festgenommen. Iryna Zarutska starb noch am Tatort.
Die Tonaufnahme aus der Untersuchungshaft
Der Tatverdächtige, der 34-jährige Decarlos Brown Jr., war vor der Tat bereits mehrfach straffällig geworden und hatte zuvor eine Haftstrafe wegen bewaffneten Raubes verbüßt. Nach seiner Entlassung 2020 wurde bei ihm eine Schizophrenie diagnostiziert, ein von seiner Mutter beantragter Antrag auf zwangsweise Unterbringung war zuvor abgelehnt worden. Rund sechs Tage nach der Festnahme führte er ein Telefonat aus der Untersuchungshaft mit seiner Schwester, das diese später an Medien weitergab und das im September 2025 öffentlich wurde. Darin beschreibt er wiederholt, sein Körper werde durch ihm angeblich implantiertes „Material” von außen gesteuert, dieses „Material” habe ihn zu einem Mörder gemacht. Die Aufnahme dokumentiert damit offenbare Wahnvorstellungen zum Tatzeitpunkt und wurde zu einem zentralen Streitpunkt in der öffentlichen Debatte um verpasste Warnsignale im Vorfeld der Tat.
Ermittlungs- und Verfahrensstand
Der Tatverdächtige wurde wegen Mordes ersten Grades angeklagt, zusätzlich erhob die Bundesstaatsanwaltschaft eine Anklage wegen eines Gewaltverbrechens gegen ein Massentransportmittel, worauf im Höchstfall die Todesstrafe steht. Ein gerichtlich angeordnetes psychiatrisches Gutachten stufte ihn im Frühjahr 2026 sowohl auf bundesstaatlicher als auch auf Bundesebene als aktuell nicht verhandlungsfähig ein, er befindet sich seither ohne Kaution im psychiatrischen Bereich der Untersuchungshaftanstalt des Mecklenburg County. Ein Termin für die Wiederaufnahme des Verfahrens steht bislang nicht fest.
Der Fall entwickelte sich in den folgenden Monaten zu einem der politisch am stärksten aufgeladenen Kriminalfälle der jüngeren US-Geschichte, mit Stellungnahmen bis auf Präsidentschaftsebene, einem eigens benannten Landesgesetz und einer intensiven gesellschaftlichen Debatte um dessen politische Instrumentalisierung. Mehr dazu im Hintergrundartikel Der Fall Iryna Zarutska als politisches Symbol.
Quellen
- Welt – Mord an Iryna Zarutska: Medien berichten über verstörende Tonaufnahme des Tatverdächtigen
- Wikipedia (EN) – Killing of Iryna Zarutska
- CNN – Video shows fatal stabbing of Ukrainian refugee on Charlotte light rail
- US-Justizministerium – Charlotte Man Charged With Federal Crime In Fatal Attack of Iryna Zarutska