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Mord an Édouard Stern: Der Fall des gefesselten Bankiers

Der Jet d'eau in Genf, der Stadt, in der Édouard Stern ermordet wurde
John Samuel, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
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Am 28. Februar 2005 wurde der französische Bankier Édouard Stern in seiner Genfer Wohnung erschossen aufgefunden, gefesselt an einen Stuhl und in einen hautfarbenen Ganzkörperanzug aus Latex gekleidet. Der Fall des milliardenschweren Financiers, getötet von seiner langjährigen Geliebten, sorgte wegen seines Reichtums und der ungewöhnlichen Umstände der Tat international für Schlagzeilen.

Der Financier aus großer Dynastie

Édouard Stern wurde am 18. Oktober 1954 in eine der reichsten Bankiersfamilien Frankreichs geboren und schloss sein Finanzstudium an der renommierten Wirtschaftshochschule ESSEC ab. Bereits mit 22 Jahren trat er 1977 in die Privatbank seiner Familie ein und baute sie in den folgenden Jahren durch Expansion in Kapitalmärkte und Fusionsgeschäfte deutlich aus. 1985 verkaufte er das Institut für 300 Millionen Franc an libanesische Investoren, behielt sich dabei aber die Rechte am eigenen Familiennamen vor und gründete umgehend eine zweite, ganz ähnlich arbeitende Bank, die er 1988 für rund 1,75 Milliarden Franc an die Schweizerische Bankgesellschaft weiterverkaufte. Ab 1992 arbeitete er als geschäftsführender Partner bei Lazard Frères und galt als einer der einflussreichsten Investmentbanker Europas, bevor Konflikte mit der Bankleitung ihn 1997 zum Rückzug in die eigene Investmentgesellschaft bewogen. Zuletzt war er zudem als Großaktionär und Verwaltungsratspräsident tätig und lebte zeitweise in Genf.

Die Tat

Ab 2001 unterhielt er eine rund vierjährige, von finanzieller Abhängigkeit geprägte Beziehung zu einer jüngeren Frau. Im Streit um eine ihr zuvor in Aussicht gestellte, dann aber zurückgezogene Zahlung in Millionenhöhe soll er ihr sinngemäß gesagt haben, eine Million Dollar sei viel Geld für eine Hure. Am Abend des 28. Februar 2005 erschoss sie ihn während einer sadomasochistischen Sitzung in seiner Genfer Wohnung mit vier Schüssen aus nächster Nähe in Kopf und Oberkörper. Ein ausführliches Profil zur Täterin, ihrer Flucht, Festnahme und Verurteilung ist im Täter-Verzeichnis zu finden: Cécile Brossard.

Nachwirkungen

Der Prozess im Juni 2009 endete mit einer Verurteilung wegen vorsätzlichen Mordes statt eines bloßen Verbrechens aus Leidenschaft, ein Ergebnis, das in der französischen und Schweizer Presse als Signal gegen die Verharmlosung sogenannter Eifersuchtstaten gewertet wurde. Der Fall blieb wegen der Verbindung von großem Reichtum, Sadomasochismus und Gewalt eines der meistdiskutierten Verbrechen der Genfer Kriminalgeschichte der 2000er Jahre und wurde mehrfach in Büchern und Dokumentationen aufgearbeitet.

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