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28. Juli 2026
Update

CSD-Anschlag: Bekennervideo gefunden, BKA-Tool meldete hohes Risiko

Blumen, Kerzen und Regenbogenflaggen am Gedenkort vor dem bunt beleuchteten Brandenburger Tor nach dem CSD-Anschlag
Orator, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Wenige Tage nach dem Anschlag am Rande des Berliner CSD wurden neue Einzelheiten zu den Ermittlungen und zur vorherigen Überwachung des Tatverdächtigen bekannt. Auf seinem Mobiltelefon fanden Ermittler ein am Tattag aufgenommenes Bekennervideo. Zudem hatte ein Analysesystem des Bundeskriminalamts Abdul B. bereits Wochen zuvor der höchsten Risikokategorie zugeordnet.

Video enthält Treueschwur auf den IS

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte gegenüber ZDFheute den Fund des Videos. Darin schwört eine hochgradig vermummte Person der Terrororganisation “Islamischer Staat” die Treue. Die Aufnahme soll am 25. Juli 2026 und damit am Tag des Anschlags entstanden sein.

Ob die vermummte Person zweifelsfrei Abdul B. zeigt, war zunächst nicht forensisch bestätigt. Das Gesicht ist nach den veröffentlichten Angaben nicht ausreichend zu erkennen. Der Fund stützt dennoch den Verdacht auf ein islamistisches Tatmotiv und ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft.

BKA-System ordnete ihn der höchsten Risikokategorie zu

Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ergaben, dass der Fall von Abdul B. mehrfach im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum besprochen worden war. Am 26. Mai stellten Fachleute dort demnach eine Bewertung durch das BKA-System RADAR-iTE vor. Das Programm soll Sicherheitsbehörden helfen, Überwachungsmaßnahmen bei islamistischen Gefährdern zu priorisieren. Für Abdul B. ergab es die Kategorie Rot und damit ein hohes Risiko.

Diese Einstufung war keine Vorhersage eines konkreten Anschlags. Nach den Recherchen hatte die engmaschige Beobachtung zunächst keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Tat geliefert. Observationsteams wurden deshalb nach rund zehn Tagen nicht mehr dauerhaft eingesetzt. Telefon- und Internetüberwachung sowie eine Kamera vor dem Wohnhaus liefen jedoch weiter.

Kamera erfasste den Aufbruch

Die Kamera zeichnete den Recherchen zufolge am Abend des 25. Juli um 20:58 Uhr auf, wie Abdul B. sein Wohnhaus in Berlin-Schöneberg verließ. Etwa eine Stunde später begann der Angriff im Tiergarten. Die Aufnahmen wurden jedoch nicht in Echtzeit beobachtet, sondern jeweils erst nach 24 Stunden ausgewertet. Sie konnten deshalb keine unmittelbare Warnung vor der Tat auslösen.

Die Berliner Behörden erklärten später im Innenausschuss, dass der Tatverdächtige bis zum Anschlag technisch überwacht worden sei. Innensenatorin Iris Spranger wies den Vorwurf zurück, die Sicherheitsbehörden hätten Warnsignale vollständig ignoriert. Zugleich blieb die Frage Gegenstand der politischen Aufarbeitung, ob zwischen Gefährdungsbewertung, Überwachungsumfang und Auswertung der vorhandenen Daten Schwachstellen bestanden.

Unterschiedliche Angaben zur Zahl der Verletzten

Auch die Opferbilanz wurde nach der ersten Meldung nochmals unterschiedlich beziffert. Zunächst war von 29 Verletzten die Rede. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner nannte bei einer Pressekonferenz später 31 Verletzte. Eine abschließend einheitliche behördliche Zahl lag in den ausgewerteten Veröffentlichungen noch nicht vor.

Bei dem Todesopfer handelte es sich um eine polnische Staatsbürgerin, die gemeinsam mit ihrer erwachsenen Tochter in Berlin gewesen war. Die Tochter wurde verletzt, befand sich nach Angaben des polnischen Außenministeriums aber nicht in Lebensgefahr. Wegen des Todes der Frau leitete auch die Staatsanwaltschaft in Warschau ein Ermittlungsverfahren wegen eines Terroranschlags ein.

Der Fund des Bekennervideos und die dokumentierte Hochrisikobewertung verdichten den bekannten Ermittlungsstand deutlich. Offen blieben unter anderem die abschließende Identifizierung der vermummten Person im Video, die mögliche Beteiligung weiterer Menschen und die genaue Rolle des zunächst festgenommenen iranischen Staatsangehörigen.

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