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08. Juli 2026

Nach der Bluttat von Stade: Anklage wegen sechsfachen Mordes, Mordverdacht auch gegen Patentante und Kindsmutter

Das Land- und Amtsgericht Stade
C. Löser, via Wikimedia Commons · CC BY 3.0 DE

Gut eine Woche nach den tödlichen Schüssen in einer Stader Mutter-Kind-Einrichtung hat sich das Bild des Falls deutlich erweitert: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45-jährigen Tatverdächtigen inzwischen offiziell sechsfachen Mord vor, gegen ihn liegt Haftbefehl vor. Neu und für die Öffentlichkeit überraschend: Auch gegen zwei Frauen aus dem näheren Umfeld des Falls wird wegen Mordverdachts ermittelt, darunter die Mutter des Kindes selbst.

Anklage wegen sechsfachen Mordes

Das Amtsgericht erließ gegen den Tatverdächtigen Haftbefehl, die Staatsanwaltschaft Stade sieht die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe als erfüllt an. Die mutmaßliche Tatwaffe, eine Pistole des Typs Beretta Modell 70 samt 21 Schuss Munition, hatte er nach bisherigen Ermittlungen wenige Tage vor der Tat für rund 4.000 Euro illegal am Berliner Kurfürstendamm erworben.

Zwei weitere Frauen unter Mordverdacht

Die 65-jährige Frau, die den Tatverdächtigen nach der Tat mit dem Fluchtwagen vom Tatort brachte, gilt als mutmaßliche Patentante des betroffenen Kindes. Gegen sie wird nun ebenfalls wegen Mordverdachts ermittelt, ebenso wie gegen die 34-jährige Mutter des Kindes. Damit richtet sich das Verfahren nicht mehr allein gegen den Schützen selbst, sondern auch gegen zwei Frauen aus dessen und dem familiären Umfeld des Kindes.

Für Aufsehen sorgte zudem die Rolle der mutmaßlichen Patentante im Vorfeld der Tat: Drei Tage vor den Schüssen soll sie ein zwanzigseitiges Dokument mit Kritik an den beteiligten Behörden an mehrere Medienredaktionen verschickt haben. Bekannt wurde außerdem, dass sie die Schwiegermutter des SPD-Politikers Deniz Kurku ist, der als Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe der niedersächsischen Landesregierung amtiert. Ein Zusammenhang zwischen dieser politischen Verbindung und der Tat selbst ist bislang nicht erkennbar und wird von den Ermittlungsbehörden nicht behauptet.

Die Vorgeschichte des Sorgerechtsstreits

Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde die wenige Wochen alte Tochter des Tatverdächtigen am 22. April 2026 wegen des Verdachts auf ein Schütteltrauma in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt. Das Jugendamt leitete daraufhin am 15. Mai eine Inobhutnahme ein. Ein Familiengericht ordnete später die Rückführung des Kindes zur Mutter an, allerdings nicht an deren Wohnort in Hannover, sondern in die Stader Einrichtung, in die sie am 26. Mai gemeinsam mit dem Kind einzog. Zu dem Gespräch über diese Situation am 29. Juni war der Vater geladen, bei dem es zu den tödlichen Schüssen kam.

Offene Fragen

Wie genau sich die mutmaßliche Beteiligung der Patentante und der Kindsmutter am Tatgeschehen darstellt, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Die Ermittlungen dauern an. Zum ursprünglichen Bericht über die Tat selbst und die Opfer: Sechs Tote in Stade: Bluttat in einer Mutter-Kind-Einrichtung. Zum Tod des Tatverdächtigen in der Untersuchungshaft: Tatverdächtiger von Stade in Justizvollzugsanstalt tot aufgefunden.