Attentat auf Spencer Perceval: Der einzige ermordete britische Premierminister
Am Nachmittag des 11. Mai 1812 betritt der britische Premierminister die Lobby des Unterhauses in London, auf dem Weg zu einer Anhörung im Parlament. Ein Mann, der dort seit einiger Zeit gewartet hat, tritt ihm entgegen, zieht eine Pistole und schießt ihm aus nächster Nähe in die Brust. Spencer Perceval bricht sofort zusammen und ist wenige Minuten später tot. Bis heute ist er der einzige britische Regierungschef, dem eine Ermordung im Amt gelang.
Der Premierminister
Spencer Perceval wurde 1762 als Sohn eines Earls geboren und schlug zunächst eine Laufbahn als Anwalt ein, bevor er in die Politik wechselte. 1809 übernahm er das Amt des Premierministers in einer für Großbritannien angespannten Zeit: Der Krieg gegen das napoleonische Frankreich band enorme Ressourcen, im Inland sorgten wirtschaftliche Not und die gewaltsamen Maschinenstürme der Ludditen für Unruhe. Als Regierungschef verfolgte er einen strikten Kurs gegen Napoleon und setzte sich zugleich, für seine Zeit ungewöhnlich, öffentlich gegen den Sklavenhandel ein. In der Öffentlichkeit galt er als vergleichsweise integer und wenig korrupt, was ihm über Parteigrenzen hinweg Respekt einbrachte.
Die Tat und der Täter
Der Schütze handelte nicht aus politischem Kalkül, sondern aus jahrelang aufgestautem persönlichem Groll: Er war überzeugt, der Staat schulde ihm Schadensersatz für eine als ungerecht empfundene Haft in Russland, und sah in der Regierung, die seine Forderungen wiederholt abgewiesen hatte, seinen persönlichen Feind. Ein ausführliches Profil zum Täter, seiner Herkunft, den Jahren in russischer Gefangenschaft und seiner Hinrichtung nur wenige Tage nach der Tat ist im Täter-Verzeichnis zu finden: John Bellingham.
Nachwirkungen
Die Nachricht von der Ermordung verbreitete sich rasch in ganz London und löste zunächst Unruhen und teils sogar öffentliche Freudenbekundungen unter Teilen der wirtschaftlich notleidenden Bevölkerung aus, die der Regierung die Schuld an ihrer Lage gaben. Er hinterließ seine Frau und zwölf Kinder, für die das Parlament eine großzügige finanzielle Versorgung beschloss. Über zwei Jahrhunderte später ist er nach wie vor der einzige britische Premierminister, der je im Amt ermordet wurde, ein trauriges Alleinstellungsmerkmal, das seinen Namen bis heute in Erinnerung hält.