Terroranschlag beim CSD in Berlin: Eine Tote, 29 Verletzte, Tatverdächtiger erschossen
Am Rande der CSD-Abschlussfeier vor dem Brandenburger Tor kam es am Abend des 25. Juli 2026 im Berliner Tiergarten zu einem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag: Ein Mann fuhr mit einem Kastenwagen in eine Menschenmenge und griff anschließend Passanten mit einer Stichwaffe an. Eine Frau starb noch am Tatort, 29 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der als islamistischer Gefährder bekannte Tatverdächtige wurde einen Tag später bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Der Tatverlauf
Gegen 22 Uhr steuerte der Fahrer einen weißen Kastenwagen vom Potsdamer Platz kommend in den Tiergarten und über den Ahornsteig, parallel zur Lennéstraße, etwa 400 Meter abseits der eigentlich gut gesicherten CSD-Strecke. Dabei fuhr er nach Polizeiangaben mehrere Menschen an oder um, ehe der Wagen gegen einen Baum prallte. Zeugen zufolge stieg danach eine Person aus dem Fahrzeug und griff mit einer Stich- oder Hiebwaffe, mutmaßlich einer Machete, weitere Passanten an. Der oder die Täter flüchteten anschließend zu Fuß. Die laufende CSD-Feier am Brandenburger Tor wurde nach Bekanntwerden des Vorfalls abgebrochen und der Bereich evakuiert.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezifferte die Zahl der Verletzten und Schwerverletzten am Sonntagnachmittag auf 29, alle befanden sich nach Polizeiangaben inzwischen außer Lebensgefahr. Das Todesopfer war eine Frau, die ihren Verletzungen noch am Tatort erlag.
Der Tatverdächtige
Die Polizei identifizierte noch in der Tatnacht einen ihr bereits bekannten 21-jährigen Mann aus dem islamistischen Milieu Berlins als Tatverdächtigen und fahndete ab Sonntagmorgen öffentlich nach ihm. Der Mann, ein in Berlin geborener deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, war den Sicherheitsbehörden nach Medienrecherchen bereits seit seinem 16. Lebensjahr als Islamist bekannt und war zeitweise observiert worden.
Er hatte 2025 versucht, über den Libanon nach Syrien zu gelangen, um sich dem “Islamischen Staat” anzuschließen, wurde im Libanon festgenommen und nach seiner Rückkehr nach Deutschland im November 2025 erneut in Untersuchungshaft genommen. Im Mai 2026 verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung; gegen das aus Sicht der Generalstaatsanwaltschaft zu milde Urteil war Berufung eingelegt. Als Auflage nahm er an einem gerichtlich angeordneten Deradikalisierungsprogramm teil, zu dem in der Woche nach dem Anschlag der dritte Termin angestanden hätte. Nach Angaben des Trägers hatten die Berater Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Mitarbeit. Nach eigenen Erkenntnissen der Ermittler hatte er den beim Anschlag genutzten Kastenwagen angemietet; ob er selbst am Steuer saß, blieb zunächst offen. In der Nacht wurde zudem ein Mann mit iranischer Staatsangehörigkeit vorläufig festgenommen, dessen genaue Rolle bei der Tat unklar blieb.
Tod des Tatverdächtigen
Am Sonntagabend lokalisierten Einsatzkräfte den Gesuchten gegen 18 Uhr in einer Kleingartenanlage an der Ruhlebener Straße in Berlin-Spandau. Nach Polizeiangaben lief er mit einer Stichwaffe auf die Beamten zu, woraufhin ein SEK der Berliner Polizei von der Schusswaffe Gebrauch machte. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen der Feuerwehr starb er noch am Einsatzort. Die polizeiliche Mordkommission ermittelt zu dem tödlichen Schusswaffengebrauch, unabhängig von den Ermittlungen zum Anschlag selbst.
Reaktionen und Ermittlungsstand
Die Bundesanwaltschaft übernahm noch am Sonntag die Ermittlungen zu dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag von der Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Bundeskanzler Friedrich Merz, der gemeinsam mit mehreren Kabinettsmitgliedern den Tatort besuchte und Blumen niederlegte, verurteilte die Tat als “abscheulich”. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und zahlreiche weitere Politikerinnen und Politiker zeigten sich erschüttert; der Bundestag ordnete Trauerbeflaggung an.
In Berlin fanden im Laufe des Sonntags mehrere Gedenkveranstaltungen statt: Tausende Menschen versammelten sich zu einer Mahnwache mit Schweigeminute vor dem Brandenburger Tor, am Nachmittag folgte ein Trauergottesdienst in der St.-Marienkirche, an den sich ein von der Organisation Maneo initiierter Trauermarsch zurück zum Brandenburger Tor anschloss. Der CSD-Verein selbst warnte davor, die Tat politisch zu instrumentalisieren oder Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verteidigte das Sicherheitskonzept der eigentlichen CSD-Strecke, die von der Tat nicht betroffen war, kündigte aber eine Überprüfung für künftige Großveranstaltungen an.
Update Es gibt Neuigkeiten: Klickt hier! CSD-Anschlag: Bekennervideo gefunden, BKA-Tool meldete hohes Risiko Update lesenQuellen
- rbb24 – Anschlag beim CSD: Geflüchteter mutmaßlicher Täter erschossen
- tagesschau.de – Bundesanwaltschaft hat CSD-Ermittlungen übernommen
- tagesschau.de – Tatverdächtiger war seit Längerem im Visier der Behörden
- tagesschau.de – Was über den Angriff auf den CSD bekannt ist
- ZDFheute – Polizei bestätigt: Mutmaßlicher CSD-Attentäter ist tot
- Deutschlandfunk – So ist der Stand nach der Gewalttat beim CSD in Berlin
- Berliner Polizei – Pressemitteilung: Polizei bittet um Hinweise nach schwerem Ereignis im Tiergarten