Amoklauf von Erfurt: 17 Tote nach Schüssen am Gutenberg-Gymnasium
Am Vormittag des 26. April 2002 betrat ein 19-Jähriger das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt und erschoss 16 Menschen, bevor er sich selbst tötete. Es zählt bis heute zu den schwersten Gewalttaten an einer deutschen Schule.
Der Tathergang
Gegen 10.45 Uhr betrat der Täter zunächst unmaskiert das Schulgebäude, wechselte dann auf einer Toilette die Kleidung und zog eine schwarze Sturmhaube über. Im Sekretariat erschoss er zuerst die stellvertretende Schulleiterin und eine Sekretärin. Anschließend bewegte er sich systematisch durch mehrere Stockwerke des Gebäudes und tötete in verschiedenen Klassenzimmern weitere Lehrkräfte.
Nach etwa 20 Minuten ging er auf den Schulhof, wo er eine weitere Lehrerin erschoss. Als die Polizei eintraf, eröffnete er auch auf die Beamten das Feuer. Ein Lehrer sperrte ihn schließlich in einem Raum ein, in dem sich der Täter selbst erschoss.
Der Täter und die Tatwaffen
Der Schütze war ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, der im Oktober 2001 wegen des Vorlegens eines gefälschten ärztlichen Attests von der Schule verwiesen worden war, eine Maßnahme, die sich später als rechtlich nicht haltbar erwies. Diese Relegation und die damit verbundene Perspektivlosigkeit gelten als zentrales Tatmotiv. Ermittlungen ergaben zudem, dass er sich intensiv mit dem Amoklauf an der Columbine High School in den USA beschäftigt hatte.
Er nutzte eine Pistole vom Typ Glock 17 mit mehreren Magazinen sowie eine Pumpgun, die er zwar bei sich trug, aber nicht einsetzte. Als Mitglied eines Schützenvereins besaß er seit dem Jahr 2000 eine Waffenbesitzkarte. Ein Waffenhändler hatte die Behörden zuvor auf Auffälligkeiten hingewiesen, ohne dass dies Konsequenzen hatte.
Die Opfer
Insgesamt starben 17 Menschen, eingerechnet der Suizid des Täters. Unter den Opfern waren elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und ein Polizeibeamter.
Folgen
Die Tat führte noch im selben Sommer zu einer Verschärfung des deutschen Waffenrechts: Das Mindestalter für den Erwerb großkalibriger Waffen im Schießsport wurde auf 21 Jahre angehoben, Pumpguns mit Pistolengriff wurden verboten und die Aufbewahrungspflichten für Schusswaffen verschärft. Zugleich befeuerte der Amoklauf die öffentliche Debatte über Gewalt in Computerspielen, obwohl ein ursächlicher Zusammenhang wissenschaftlich nie belegt werden konnte.
Eine Woche nach der Tat nahmen mehr als 100.000 Menschen an einer Gedenkfeier in Erfurt teil. Bis heute wird jährlich am 26. April der Opfer gedacht, seit 2017 mit einer eigens gegossenen Gedenkglocke.
Zum Täter selbst siehe das Profil Robert Steinhäuser im Täter-Verzeichnis.