Amoklauf von Bremen: Fünf tote Mädchen bei einem der ersten dokumentierten Schulattentate
Am Vormittag des 20. Juni 1913 betrat ein 29-jähriger arbeitsloser Lehrer bewaffnet mit mehreren Revolvern und Pistolen die katholische St.-Marien-Schule im Bremer Stadtteil Walle und eröffnete das Feuer auf eine Klasse voller Erstklässlerinnen. Fünf Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren starben, über 30 weitere Menschen wurden verletzt. Historiker bezeichnen die Tat heute als eines der frühesten dokumentierten Schulattentate der Geschichte, damals berichtete sogar die New York Times darüber.
Der Tathergang
Der Täter schoss zunächst auf eine Lehrerin, betrat dann ein Klassenzimmer mit rund 65 Mädchen und feuerte wahllos auf die Kinder. Anschließend verfolgte er fliehende Schülerinnen durch das Schulgebäude, schoss dem Pförtner ins Gesicht und verletzte einen dazwischengehenden Lehrer mit zwei Schüssen. Aus einem Fenster feuerte er zudem auf den Schulhof. Nach etwa 15 Minuten wurde er von Pförtner und Lehrer überwältigt. Eine aufgebrachte Menschenmenge versuchte bei der Abführung, ihn zu lynchen, ein Polizist musste ihn mit dem Säbel schützen.
Der Täter
Ein ausführliches Profil zum Täter, seiner Vorgeschichte und dem wahnhaften Motiv hinter der Tat ist im Täter-Verzeichnis zu finden: Heinz Schmidt.
Einordnung
Der Fall geriet über weite Strecken des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit und wurde erst in den vergangenen Jahren, unter anderem zum 100. Jahrestag 2013, wieder stärker öffentlich aufgearbeitet. Zwei Bremer Waffenhändler hatten die Polizei bereits Wochen vor der Tat auf die ungewöhnlich große Munitionsmenge hingewiesen, die der Täter gekauft hatte, ohne dass daraus Konsequenzen gezogen wurden, ein früher Fall verpasster Warnsignale, wie er auch bei späteren Schulattentaten immer wieder auftauchte.