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Amoklauf von Bad Reichenhall: Vier Tote nach Schüssen aus dem Elternhaus

Das Alte Rathaus in Bad Reichenhall, Tatort des Amoklaufs von 1999
Ansgar Koreng, via Wikimedia Commons · CC0 1.0

Am Vormittag des 1. November 1999, dem Feiertag Allerheiligen, eröffnete ein 16-Jähriger von den Fenstern der elterlichen Wohnung in Bad Reichenhall aus das Feuer auf Passanten und Nachbarn. Es ist einer der ersten dokumentierten Amokläufe in Deutschland, bei denen ein minderjähriger Täter aus dem eigenen Elternhaus heraus schoss.

Der Tathergang

Die Eltern des Täters besuchten an diesem Vormittag das Grab der Großmutter auf dem Friedhof im benachbarten Piding, er blieb allein zu Hause zurück. Gegen Mittag kam seine 18 Jahre alte Schwester von ihrer Arbeit in einem nahen Krankenhaus nach Hause. Er erschoss sie mit mehreren Schüssen, bevor er begann, mit einem halbautomatischen Gewehr aus zwei Fenstern der Wohnung auf Menschen auf der Straße zu schießen.

Unter den Opfern waren ein 59 Jahre alter Passant sowie ein Nachbarehepaar im Alter von 59 und 60 Jahren, das von insgesamt zehn Schüssen getroffen wurde. Ein weiteres Opfer, ein Patient in einem nahegelegenen Krankenhaus, wurde mit einer zweiten Waffe erschossen und erlag am folgenden Tag seinen Verletzungen. Mehrere weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, darunter der Schauspieler Günter Lamprecht und seine Begleiterin, die zufällig am Tatort vorbeikamen. Als die Polizei das Haus schließlich stürmte, fand sie den Täter tot in der Badewanne auf, er hatte sich mit einer Schrotflinte selbst getötet.

Der Täter

Der Schütze war zum Tatzeitpunkt 16 Jahre alt und absolvierte eine Lehre als Schlosser. Er galt als unauffälliger, zurückgezogener Jugendlicher ohne Freundeskreis, der nach Angaben von Mitschülern häufig gehänselt wurde. In seinem Zimmer fanden Ermittler unter anderem ein Hakenkreuz an der Wand, Wehrmachtsdevotionalien und Tonträger mit gewaltverherrlichender Musik. Ein konkretes, zweifelsfrei belegtes Motiv für die Tat konnte trotz umfangreicher Ermittlungen nie festgestellt werden, weder Mobbing noch die gefundenen rechtsextremen Bezüge ließen sich als alleinige Erklärung erhärten.

Folgen

Der Amoklauf von Bad Reichenhall löste eine öffentliche Debatte über den Zugang Minderjähriger zu Waffen aus den Sammlungen ihrer Eltern aus, blieb im bundesweiten Bewusstsein aber deutlich schwächer verankert als spätere Fälle wie der Amoklauf von Erfurt 2002 oder der Amoklauf von Winnenden 2009, die erst zu grundlegenden Verschärfungen im deutschen Waffenrecht führten. In Bad Reichenhall selbst blieb die Erinnerung an die Tat unter den Angehörigen und Betroffenen bis heute präsent.